Italienische Akademie der Kulinarik

Italienische Akademie der Kulinarik. Bildfüllend viele Olivenbäume auf trockenem braunen Boden stehend.Über ihnen ein strahlend blauer Himmel
Accademia Italiana della Cucina – Italienische Akademie der Kulinarik

[Update 24. März 2026. Dies ist eine aktualisierte und ergänzte Fassung der Version vom 23. März 2022]

Im März 2022 verabrede ich mich mit Laura Melara-Dürbeck, um mich mit ihr über Pasta und andere kulinarische Besonderheiten Italiens zu unterhalten. Schnell sind wir bei der mir damals noch unbekannten Accademia Italiana della Cucina (AIC, Italienische Akademie der Kulinarik) gelandet. Denn Laura ist seit 10 Jahren die Vorsitzende der Frankfurter Delegation. Drei Jahre später bin auch ich Mitglied dieses Vereins. Was mich bewogen hat, Mitglied zu werden und was ich erlebt habe, erzähle ich dir in einem extra Artikel.
Laura Melara-Dürbeck, Vorsitzende der Frankfurter Delegation der Accademia Italiana della Cucina, der italienische Akademie der Kulinarik
Laura Melara-Dürbeck, Vorsitzende der Frankfurter Delegation der italienischen Akademie der Kulinarik

Wer oder was ist die Accademia Italiana della Cucina?

In einem Satz zusammengefasst: Die Accademia Italiana della Cucina (AIC) hat sich zur Aufgabe gemacht, das kulinarische Erbe Italiens zu bewahren. Sie schützt und dokumentiert die regionalen Küchen und Traditionen. Denn:

Es gibt nicht nur eine italienische Küche, sondern es gibt viele italienische Küchen.

sagt mir Laura.

Bei der Accademia geht es nicht nur ums Essen oder ums Kochen, sondern um die Esskultur als unverzichtbares Element der kulturellen Identität Italiens.

Gründung in Mailand

Logo der Accademia Italiana della Cucina – Italienische Akademie der KulinarikDie italienische Mutterorganisation wurde 1953 als gemeinnütziger Verein in – Trommelwirbel – Mailand gegründet. 2003 wurde ihr aufgrund ihrer kulturellen Verdienste um die Kulinarik der Titel Istituzione culturale (kulturelle Institution) verliehen. Damit gehört sie zu den größten und wichtigsten italienischen Kultureinrichtungen. Vor allem für diejenigen, die nicht in Italien leben, soll die Accademia dazu beitragen die italienische Kultur – und dazu gehört auch das Essen – lebendig zu halten und zu vermitteln.

Was macht die Accademia Italiana della Cucina?

Was die Accademia tatsächlich tut, geht weit über gemeinsame Abendessen hinaus. Sie organisiert Seminare, Lesungen, Tagungen, Verkostungen, testet italienische Restaurants und veröffentlicht Fachpublikationen.

Sie war auch eine der drei tragenden Institutionen, die die Bewerbung der italienischen Küche als immaterielles Kulturerbe von Beginn an begleitete: mit Publikationen, Vorträgen und aktiver Mitarbeit. Im Dezember 2025 wurde die italienische Küche offiziell zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. (→ Mein Artikel zur Auszeichnung)

Wer füllt die Accademia Italiana della Cucina mit Leben?

Stand 2025 gibt es 226 Delegationen in Italien, 94 in 54 weiteren Ländern und insgesamt 7800 Mitglieder. Die Zahl der Delegationen und der Mitglieder steigt. Allein in Deutschland gibt es vier Delegationen: in Frankfurt, Berlin, Köln und München. Die Vereinssprache ist Italienisch.

Während in Italien jede Delegation einer Region und damit einer regionalen Küche zuzuordnen ist, kommen die Mitglieder in den ausländischen Delegationen aus ganz verschiedenen Regionen. In Frankfurt haben wir etwa Mitglieder, die ursprünglich aus Mailand, Turin, Bologna, den Abruzzen oder Apulien kommen. Dazu kommen noch die deutschen Mitglieder.

Wer kann Mitglied der Accademia Italiana della Cucina werden?

Die Accademia ist kein Verein im herkömmlichen Sinne. D. h. sie ist etwas streng, was das Aufnahmeverfahren angeht. Einerseits müssen Interessierte von zwei Mitgliedern der Accademia vorgeschlagen und vom Vorsitzenden in Mailand bestätigt werden. Andrerseits können – und das ist ein großer Unterschied zu Slow Food – keine Gastronomen oder Leute, die durch die Gastronomie ihr Geld verdienen (Köchinnen, Caterer, Kochschulen, Produzentinnen und Landwirte etc.) Mitglied werden.

Unsere Mitglieder sind Personen, die Interesse an der Kulinarik als Teil der kulturellen Identität Italiens haben,

so Laura. Viele Mitglieder haben beruflich mit Kulinarik zu tun etwa Professoren und Professorinnen, die dazu forschen. Auch Ärztinnen, Ärzte, Architektinnen und Architekten, die alle aufgrund ihres Berufs einen anderen Blick auf die Kultur des Essens haben, bereichern die Accademia.

Ein italienischer Pass ist für die Mitgliedschaft nicht nötig, Italienischkenntnisse sind allerdings von Vorteil, weil die Verkehrssprache Italienisch ist.

Die Accademia ist wie eine große Familie,

schwärmt Laura und nach einem Jahr Mitgliedschaft habe ich eine Ahnung, was sie damit meint.

Als sich durch Corona die Treffen ins Digitale verlegt haben, sind wir international zusammengerückt. Jeder und jede konnte an allen Veranstaltungen weltweit teilnehmen und Mitglieder aus verschiedenen Ländern kennenlernen. Das waren ganz neue Kontaktmöglichkeiten.

Wer einmal in einer Delegation Mitglied ist, kann an allen Veranstaltungen der anderen Delegationen teilnehmen.

Als ich im vergangenen Jahr den Franziskusweg gelaufen bin, saß ich zum Abschluss in einem von der AIC ausgezeichneten Restaurant in Assisi mit Blick auf die Basilica di San Francesco, die im Abendlicht erstrahlte. Ich genieße nach zwei Wochen ohne Alkohol das erste Glas Weißwein und ein Dreigänge-Menü.

Dieses Erlebnis zeigt, wie lohnenswert es sein kann, die AIC-Restaurants zu entdecken. Auch ohne Mitgliedschaft kannst du auf der Website nach ihnen suchen. In einem anderen Restaurant habe ich als AIC-Mitglied einen Preisnachlass erhalten.

Jährliches Schwerpunktthema mit gemeinsamen Abendessen

Jedes Jahr gibt es ein Tema dell’anno, ein Jahres-/Schwerpunktthema. Wichtigster Bestandteil des Schwerpunktthemas ist ein gemeinsames Abendessen, die cena ecumenica. Es findet  immer am 3. Donnerstag im Oktober statt. Alle Mitglieder der jeweiligen Accademia-Delegationen treffen sich an diesem Donnerstag in einem Restaurant ihrer Stadt zum Abendessen. Die jeweilige Gastronomie muss ein Menü zum Schwerpunktthema zaubern. Zusätzlich referiert an diesem Abend ein Gast zum Jahresthema.

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2025 war ich zum ersten Mal bei einer cena ecumenica dabei: Wir betreten einen separaten Raum des Restaurants Ambiente Italiano in Kelsterbach. Auf den festlich gedeckten Tischen stehen die AIC-Wimpel. Der Raum ist in warmes Licht getaucht. Wir stehen in Grüppchen zusammen, lachen, lernen uns kennen, tauschen uns aus, ehe wir uns setzen. Laura begrüßt uns herzlich. Gespräche mischen sich mit dem Klirren der Gläser. Der Gruß aus der Küche wird serviert. Er ist ansprechend angerichtet und aromatisch-frisch. Zwei weitere Gänge folgen. Wir unterhalten uns über dies und das – und natürlich über die Gerichte und die italienische Kulinarik.

Im Jahr 2026 lautet das Thema Baccalà, stoccafisso e gli altri pesci conservati sotto sale o essiccati o affumicati nella cucina della tradizione regionale (Baccalà, Stockfisch und andere in Salz eingelegte, getrocknete oder geräucherte Fischsorten in der traditionellen regionalen Küche).

Publikationen der italienischen Akademie der Kulinarik

Zu jedem Schwerpunktthema wird eine Publikation veröffentlicht, die jeder und jede im Buchhandel erwerben kann. Für die Accademia-Mitglieder ist sie kostenlos. Neben dem cena ecumenica steht es jeder Delegation oder Legation frei, ob sie während des Jahres weitere Aktivitäten zum Jahresthema organisiert.

Einmal im Monat erscheint die Zeitschrift Civiltà della Tavola – das offizielle Organ –, das du auf der italienischen Website herunterladen kannst. Inhaltlich werden verschiedene Themenspektren abgedeckt: Tourismus, Folklore, wie sich die Gastronomie entwickelt, Traditionen, neue Kochtechnologien, Buchrezensionen etc. Also ein bunter Themenmix. An italienischen Kiosken ist außerdem zweimal im Jahr eine komprimierte Zeitschrift erhältlich.

2015 erschien die Neuauflage des Kochbuchs La tradizione a tavola. 3000 ricette dei paesi d’Italia. Diese vielfältige Sammlung traditioneller Gerichte ist eine Arte kulinarisches Gedächtnis Italien. Alle Delegationen der Accademia haben diese Rezepte zusammengetragen, so dass alle Regionen repräsentiert werden.

30 Jahre Accademia Italiana della Cucina in Frankfurt

Bei den Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen im März 2026 erinnerte der Gründer und erster Delegierter der Frankfurter AIC, Roberto Zangrandi an die Anfänge:

Eines Abends leerten Luciano [Anm. d. Red. Luciano Barile, Vorsitzender der Köln-Bonner Delegation] und ich nach einem Abendessen eine Flasche Sassella Superiore und kamen auf den Gedanken, dass es vielleicht an der Zeit wäre, etwas Ähnliches in Frankfurt zu gründen. Dort hatten sich inzwischen viele Banker mit langer Tradition und die jungen Leute der Finanzwelt der 90er Jahre niedergelassen, dazu die Pioniere des Europäischen Währungsinstituts, das kurz darauf zur Europäischen Zentralbank werden sollte. Wir holten sofort die Zustimmung unseres Kollegen Franco Benussi in München ein, der mit seiner unbestrittenen Autorität als Doyen der deutschen Delegierten galt.

Die Frankfurter Delegation wuchs schnell auf eine stattliche Zahl und wurde zu einem festen Treffpunkt mit vielen Initiativen – eine Tradition, die unter Lauras Leitung weitergeführt wurde und, wie wir gesehen haben, mit immer interessanteren und vielseitigeren Vorschlägen fortbesteht.

Die Frankfurter Delegation war geboren. Heute sind wir 27 Mitglieder.

Die ehemaligen und aktuellen Vorsitzende der Accademia Italiana della Cucina Francoforte. Roberto Zangrandi (links), Gründer und erster Vorsitzender, die aktuelle Vorsitzende Laura Melara-Dürbeck und Rodolfo Dolce, Ehrenvorsitzender und Vorgänger von Laura.
Die Vorsitzenden der Accademia Italiana della Cucina Francoforte: Roberto Zangrandi (links), Gründer und erster Vorsitzender, die aktuelle Vorsitzende Laura Melara-Dürbeck und Rodolfo Dolce, Ehrenvorsitzender und Vorgänger von Laura
Eingedeckt für die Feierlichkeit zum 30-jährigen Bestehen der Delegation der Accademia Italiana della Cucina Francoforte im März 2026.
Eingedeckt für die Feierlichkeit zum 30-jährigen Bestehen der Frankfurter Delegation im März 2026

Wie oben erwähnt steht es jeder Delegation frei, weitere Aktivitäten zu organisieren. Die Frankfurter Delegation ist eine sehr aktive. Wir testen regelmäßig italienische Restaurants und Produzenten in Frankfurt und Umgebung. Wir zeichnen Restaurants und Trattorien mit dem Diplom Diploma di Buona Cucina (Diplom für gute Küche) aus. Damit würdigen wir Betriebe, die kulinarische Traditionen pflegen und auf hohe Qualität achten. So erhielten etwa die beiden Restaurants Il Tempaccio in Frankfurt und La Vecchia Banca in Bad Homburg diese Auszeichnung.

An Produzenten vergeben wir die Auszeichnung Dino Villani. Vorausgesetzt sie verwenden erstklassige nationale Zutaten, deren Herkunft sich zurückverfolgen lässt. Außerdem muss das Produkt klar einer bestimmten Region zuzuordnen sein. Im Rhein-Main-Gebiet haben wir die Käsemanufaktur L’Abbate in Offenbach ausgezeichnet.

Die Frankfurter Delegation ist – dank Lauras Einsatz – eine sehr rührige. Buchvorstellungen, Lesungen, Vorträge, Aperitifs, Abendessen oder Verkostungen. Die Bandbreite ist groß.

Wie lebendig und vielseitig die Aktivitäten der Frankfurter Accademia Italiana della Cucina sind, zeigte der Abend im Dezember 2025 „Wo das Essen die Heimat erzählt. Geschichten von Migration“. Anlass war das Deutsch-Italienische Anwerbeabkommen, das sich zum 70. Mal jährte. (→ Hier und → hier habe ich darüber berichtet). Die Veranstaltung haben wir gemeinsam mit der Deutsch-Italienischen Vereinigung und der Frankfurter Stiftung für Deutsch-Italienische Studien organisiert.

Ebenfalls in Kooperation mit der Deutsch-Italienischen Vereinigung und der Frankfurter Stiftung für Deutsch-Italienischen Studien fand zur Buchmesse 2024 die Vorstellung von Lauras Buch „Die Gaumenfreuden des jungen Goethe“*, statt. Ich durfte die Buchvorstellung moderieren – und kurz darauf wurde ich selbst Mitglied der Accademia Italiana della Cucina.

 

*Werbung Der Hugendubel-Link ist ein Affiliate-Link. Wenn du das Buch darüber einkaufst, verdiene ich ein paar Cent. Nicht viel, mich freut es dennoch. 

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