Aperitivo all’italiana

Aperitivo all'italiana

Sonnenschein, Stimmengewirr, Lachen, wildes Gestikulieren: Italiener finden sich im Kreis von Freunden oder Kollegen in einer Bar zusammen, Bürgersteige und Plätze werden einbezogen – es ist aperitivo-Zeit. Die Gewohnheit nach der Arbeit einen aperitivo zu sich zu nehmen ist eine der genialsten italienischen Erfindungen.

Ob auf der Terrazza Duomo 21 in Mailand oder in einer schlichten Bar, ob am Tisch oder an der Theke – in Italien ist es selbstverständlich, dass zum Aperitif Chips, Nüsse oder ein paar Oliven gereicht werden – im Preis inbegriffen. Es geht aber noch mehr, aber alles der Reihe nach.

Der Ursprung des aperitivo all’italiana

Die Tradition zwischen 18 und 21 Uhr einen aperitivo zu sich zu nehmen, geht übrigens bis ins 18. Jahrhundert zurück. Damals hat Antonio Benedetto Carpano den Wermut erfunden, der von Turin aus schon bald nach ganz Europa exportiert wurde. Wermut besteht aus Weißwein und unzähligen verschiedenen Kräutern. Er wurde der Aperitif par excellence und um 1800 nicht nur in Turin, sondern auch in Genua, Florenz, Venedig, Rom, Neapel und Mailand getrunken.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts hat Carlo Gancia den Wermut Gancia – „Bianco Gancia“ – entwickelt. Er wurde der offizielle Wermut des Königshauses, der Aristokratie sowie des Königtums. Italien wäre nicht Italien, wenn es nicht auch einen für die Unabhängigkeitsbewegung – den „Gancia Garibaldi“ – gegeben hätte.

Aperitivo e stuzzichini

Längst ist der aperitivo in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch die Getränkeauswahl hat sich weiterentwickelt: Aperol Spritz, Prosecco, Wein, Cocktails aber auch Anti-Alkoholisches wie Tonic, Sanbitter oder Crodino.

In vielen Bars gibt es zum  aperitivo stuzzichini – kleine Häppchen. Je nach Lokal sind sie kostenlos oder das Glas Wein kostet etwas mehr. Ich spreche hier von 5,50 Euro statt 3 Euro. Aus Frankfurter Sicht ist das immer noch unschlagbar günstig. (Update 11. März 2019: In Mailand habe ich während der aperitivo-Zeit, die bis 21.30 Uhr ging, für den Aperol Spritz 10 € statt 5 € bezahlt. Dafür gab es ein sehr reichhaltiges Büffet)

Aperitivo all'italiana
Stuzzicare heißt soviel wie reinstechen oder auch anregen, in aperitivo steckt das Wörtchen aprire – öffnen. Ein aperitivo soll also nicht ein Abendessen ersetzen, sondern zum Abendessen anregen. Nur TouristInnen laden sich die Teller voll, um sich das Abendessen zu sparen. Ein No Go. Manche Bars beugen dem vor, indem die Bedienung den Gast zum Buffet begleitet und die Häppchen auf den Teller legt.

Aperitivo all'italiana

Aperitivo all'italiana

Da ich nicht immer bis zu meinem nächsten Italien-Aufenthalt warten möchte, hab ich die aperitivo-Tradition nach Frankfurt geholt, wenn auch in abgewandelter Form und zwar bei mir zuhause. Ich liebe es italienisch zu kochen, alles hübsch anzurichten und meine Freunde zusammenzubringen. Alle paar Monate lade ich Freundinnen und Freunde zu einem aperitivo all’italiana ein. Wir verbringen ein paar kurzweilige Stunden an einem Samstagnachmittag und danach gehen alle angeregt von Häppchen und Gesprächen ihres Weges. 

Was gibt es beim aperitivo all’italiana?

Bei den Getränken halte ich es einfach: Etwas Antialkoholisches, Weißwein, Rotwein und Wasser.

Aperitivo all'italiana

Bei der Zubereitung der stuzzichini tobe ich mich dann aus. Ich habe ein paar Standard-Häppchen und dann gibt es immer etwas Neues. Ein absolutes Muss sind die frittata nach dem Rezept der „nonna“ meiner Au-pair-Familie und focaccia. Dieses Mal gab es außerdem noch Gemüsebällchen, gefüllte Blätterteig-Taschen, Birne-Schinken-Häppchen, Pumpernickel mit Sardinen, Bruschette mit Fenchel-Orange, Bruschette mit Olivenpaste, Bruschette mit Pilzen und einen Orangenkuchen.

Aperitivo all'italiana

Meist lasse ich mich von der Seite cucchiaio und einem italienischen Kochbuch inspirieren. Aber auch sonst finden sich jede Menge Rezeptideen im Internet.

Weiterlesen:

Aperitivo all’italiana a Milano

Danke Sabine Grewe für die Frankfurter Fotos!

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Comments

  1. Miriam says

    Ich hab mal gelesen, dass es der Fünf-Uhr-Tee erlaube, die Zeit bis zum Abendessen in Würde zu überstehen. Ich finde, dass passt für den aperitivo auch 🙂

  2. Alex says

    Ich habe das mit dem #Aperitivo nie richtig verstanden. Danke Ulrike für die Aufklärung und Hintergrundinfos in Deinem Blogbeitrag und das ich schon zu früher Stunde Apettit darauf habe… ?

  3. Ulrike says

    Lieber Alex,
    und dabei ist das doch so einfach. ? Ein paar Stündchen musst du allerdings noch Geduld haben, bis aperitivo-Zeit ist.

  4. jke says

    Ohh, beim dem Bitter möchte ich sogleich Nachschub holen. Diese Länder mit so einer Kultur des Zusammenseins machen es doch wirklich richtig.

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