Eine Statue für Cristina Trivulzio di Belgiojoso

Als erster Frau wird der Freiheitskämpferin in Mailand eine Statue gewidmet

Eine Statue für Cristina Trivulzio di Belgiojoso

Auf der Piazza Belgioioso in Mailand befindet sich seit Kurzem die erste Frauenstatue. Gewidmet ist sie Cristina Trivulzio di Belgiojoso, Mailänder Heldin des Risorgimento. Anlass für die Enthüllung war ihr Todestag, der sich heuer zum 150. Mal  jährte.

Es ist ein intimer Platz, der Piazza Belgioioso, auf dem die von Giuseppe Bergomi geschaffene Bronzeskulptur seit Mitte September in Mailands Zentrum steht. Umringt von Palazzi – der Statue gegenüber der Palazzo Besano, im Rücken der Palazzo Belgioioso und in der Ecke das Wohnhaus von dem großen Mailänder Schriftsteller des 19. Jahrhunderts Alessandro Manzoni.

Eine Statue für Cristina Trivulzio di Belgiojoso

Kaum zu glauben, dass von den 121 Statuen, die es im Mailänder Stadtgebiet gibt, bisher keine einzige einer Frau gewidmet wurde, abgesehen von allegorischen oder religiösen Darstellungen. Das soll sich nun ändern. Geplant sind Statuen für die Astrophysikerin Margherita Hack sowie für die Revolutionärin, Feministin, Anarchistin und engagierte Sozialistin Anna Kuliscioff.

Freiheitskämpferin, Historikerin, Journalistin

Doch wer ist Cristina Trivulzio di Belgiojoso, dass ihr diese Ehre zuteilwurde? Cristina Trivulzio di Belgiojoso (*28. Juli 1808 in Mailand; † 5. Juli 1871 in Locate), geborene Trivulzio war eine Freiheitskämpferin, Historikerin und Journalistin.

16-jährig heiratete sie den Prinzen Emilio Barbiano di Belgiojoso. Sowohl sie, ihre eigene Familie als auch die ihres Mannes gehörten der Einigungsbewegung – dem Risorgimento – an, die das Land von der österreichisch-habsburgischen Fremdherrschaft befreien wollten. Nach vier Jahren Ehe verließ sie ihren Mann und widmete sich ganz der Freiheitsbewegung.

Eine Statue für Cristina Trivulzio Belgiojoso in Mailands Zentrum

Cristina Trivulzio Belgiojoso verfasste Pamphlete des Widerstandes und war als Botin und Passfälscherin aktiv. Sie flüchtete nach Marseille, zog nach Paris, wo sie zunächst einen literarisch-politischer Salon betrieb, der zum Anziehungspunkt für Exil-Italiener und -Italienerinnen wurde. Später unterhielt sie einen literarischen Salon, in dem unter anderem Franz Liszt und Honorè de Balzac verkehrten.

1838 brachte sie die Tochter Marie zur Welt, deren Vater vermutlich der Historiker François-Auguste Mignet war mit dem Christina Trivulzio Belgiojoso ein langjähriges Verhältnis hatte.

Eine Statue für Cristina Trivulzio Belgiojoso

Aufgrund einer Generalamnestie konnte sie Anfang der 1840er Jahre erstmals wieder zurück nach Italien kehren. Fortan führte sie ein Leben zwischen Paris und Locate in der Nähe Mailands. Sie verfasste mehrere große historische Werke über die Geschichte der Lombardei, die österreichische Fremdherrschaft sowie über den Ursprung des katholischen Dogmas.

Dem Freiheitskampf blieb sie eng verbunden. So nahm sie 1848 am 5-Tage-Aufstand in Mailand teil und als die Revolution ausbrach war sie in Rom mittendrin im Geschehen.

1861 erfüllte sich ihr „Traum“: Italien wurde ein eigenständiger Nationalstaat.

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