Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

An einem spätsommerlichen Septembertag habe ich eine Verabredung mit Giovanni Foffani, Besitzer des gleichnamigen Weinguts und mein liebenswürdiger Gastgeber. Nicht, dass ich in den vergangenen Tagen nicht schon jeden Abend mit ihm zum Essen verabredet gewesen wäre, und jedes Mal einen seiner guten Tropfen probieren durfte. Heute wollen wir etwas ausführlicher über seine Vorfahren, die Familie und das Weingut sprechen.

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Geschichte wird spürbar

Das Weingut Foffani liegt in dem kleinen Dorf Clauiano in der Provinz Udine, einem der „borghi più belli d’Italia“, einem der schönsten Dörfer Italiens. Das sage nicht ich, sondern die Associazione de I Borghi più belli d’Italia (die Vereinigung der schönsten Dörfer Italiens). Die ältesten Häuser in Clauiano stammen aus dem 16. Jahrhundert. Auch das Hauptgebäude des Weinguts und seine Geschichte lassen sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Besitzer hießen damals Calligaris und waren Giovanni Foffanis Vorfahren mütterlicherseits. Im Inneren ist noch spürbar, dass es sich um ein jahrhundertealtes Haus handelt: Die Mauern sind sehr dick, die Treppe und der Holzboden knarzen, an den Wänden hängen alte Gemälde und auch das Mobiliar ist antik.

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Damals war das Weingut noch ein Bauernhof, der aus vier Gebäuden und einem großen Ackerfeld bestand. Es war die Zeit, in der die Ernte zwischen den Bauern und den Eigentümern – dem Bürgertum – aufgeteilt wurde: Getreide, Mais, Maulbeeren, Weizen, Trauben und auch Tabak. Ja, richtig gelesen, Tabak. In Italien gab es damals ein staatliches Monopol für die Herstellung von Zigarren und Zigaretten. Die Familie Calligaris hat dafür den Tabak geliefert. Zum Beweis hängt noch heute im Kornspeicher eine Tafel, an der der Tabak zum Trocknen aufgehängt wurde.

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Die erste Dokumentation über die Weinherstellung stammt aus dem Jahr 1789. Just in dem Jahr, als jenseits der Grenze die Menschen für die Freiheit kämpften, wurde in Clauiano der erste Calligaris-Wein produziert.

Vom Bauernhof zum Weingut

Machen wir einen großen Schritt in die Gegenwart. Schon als Kind ging Giovanni gerne mit seinem Großvater zum Arbeiten aufs Feld. Als er 13 Jahre alt war, musste er bereits Verantwortung übernehmen, denn sein Großvater war leider früh verstorben. Gemeinsam mit seiner Mutter verwaltete er den Hof. Sie verkauften drei der vier Häuser und konzentrierten sich auf den Weinanbau und die Weinherstellung. Giovanni und seine Mutter kamen allerdings ausschließlich am Wochenende oder in den Ferien auf das Weingut, denn die Familie lebte in Padua.

In den 1970er Jahren, nach dem Tod seiner Eltern, übernahm Giovanni schließlich die gesamte Verantwortung. Wie zuvor seine Mutter, so pendelte er gemeinsam mit seiner Frau Elisabetta und seinen Söhnen von Mailand nach Clauiano. Während der Woche gingen beide ihren Erstberufen nach. Seit dieser Zeit trägt das Unternehmen den Namen Foffani.

Heute leben Giovanni und Elisabetta in dem Haus, das seine Mutter nach dem Tod ihres Vaters behielt. Regelmäßig kommen seine Söhne und Enkelkinder vorbei, und auch ich darf hier im Wohnhaus zu Gast sein.Das Weingut ist von den für Clauiano so typischen Steinmauern umgeben. Betritt man das Gelände, steht man in einem reizenden Innenhof. Hinter dem Weinkeller befindet sich ein großer mit alten Bäumen bewachsener Park, an den sich Weingärten anschließen.

Der Betrieb ist längst mehr, als „nur“ ein Weingut. Kunst, Musik und Literatur haben Einzug gehalten, und es gibt ein Bed & Breakfast, Casa Mosaici. Regelmäßig finden Kulturveranstaltungen statt und natürlich auch Weinverkostungen. Das perfekte harmonische Miteinander!

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Foffani-Weine

Zu Beginn seiner „Winzerkarriere“ verkaufte Giovanni Trauben und offenen Wein an andere Weinkellereien. In den 1980er Jahren war damit nur noch wenig Geld zu verdienen, und er beschloss, in die Weinproduktion einzusteigen und seinen eigenen Wein zu verkaufen.

Die Erntezeit beginnt Mitte August mit den weißen Trauben und endet Ende September mit den roten. Geerntet wird bei Foffani maschinell. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Gärung tatsächlich erst im Keller stattfindet, erklärt mir Giovanni auf Nachfrage. Mit acht Hektar ist das Weingut Foffani eher klein. Produziert wird nur eine geringe Menge Rotwein, hauptsächlich Weißwein, darunter eine Rarität, ein Merlot bianco (weißer Merlot), der weltweit einzigartig ist. Wie der Name schon vermuten lässt, wird der Merlot bianco aus roten Trauben gekeltert. In einem zweiten Pressvorgang wird die Schale abgelöst und nur aus dem Fruchtfleisch der Wein gewonnen. Am Ende kommt ein hervorragender Weißwein heraus, der schon mehrmals vom Gambero Rosso, Vini d’Italia, dem Standartwerk und bekanntesten Weinführer für italienische Weine, ausgezeichnet wurde.

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Kleine Winzerschule

Wir gehen in den Weinkeller, um detaillierter über Wein und Weinerzeugung zu sprechen. Ich finde mich in einer großen Halle mit unzähligen Stahltanks in verschiedenen Größen wieder. „Hierhin geht man immer mit einem Glas in der Hand”, sagt Giovanni. Natürlich habe ich dagegen überhaupt nichts einzuwenden und bin schon gespannt, was es zu kosten gibt. Ich freue mich, dass ich in den Keller darf und Giovanni mir so viel zeigt und erklärt. In den Keller lässt er noch lange nicht jeden, schließlich ist die Weinlese in diesem Jahr noch nicht abgeschlossen. Ich bin mir der Ehre bewusst.

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Die Maische

Der erste Raum, den wir betreten ist merklich kühl. Überall Stahltanks verschiedener Größen, in denen sich Maische bzw. Most aus weißen Trauben befindet. Warum es hier denn so kalt ist, frage ich, und Giovanni erklärt mir, dass so eine frühzeitige Gärung verhindert wird. In dem Moment, in dem die Maische in die Stahltanks kommt, wird die Temperatur so weit wie möglich gesenkt – zu Beginn auf 6,4 Grad, dann steigt sie auf etwa 14 Grad. Hierfür wird eine Mischung aus Wasser und Glykol verwendet. Nein, natürlich nicht im Wein, sondern in einem gesonderten Gefäß, das sich in den Tanks befindet. Ich werfe einen Blick in einen leeren Tank, weil ich mir dieses „Gefäß“ nicht so recht vorstellen kann. Es sieht ein bisschen so aus, wie ein Flachheizkörper, aber statt Wärme entsteht Kälte.

Ein Besuch beim Weingut Foffani in Clauiano

Giovanni öffnet einen Hahn an einem Stahltank, lässt die Maische in unsere Gläser laufen, und wir kosten: Es riecht und schmeckt wie Traubensaft. In dieser Phase wird die Schale von den Beeren entfernt, was ein paar Tage dauert. Giovanni erkennt außerhalb des Tanks, wie weit die Schälung fortgeschritten ist. Ich bin verblüfft. Alles, was ich sehen kann, ist ein großer Stahltank, der sehr kalt ist, wenn ich ihn berühre.

Der Most 

Wir gehen zu einem anderen Tank. Hier ist aus den Trauben bereits Most entstanden, und auch hier verkosten wir. Der Most schmeckt mir nicht besonders – ehrlich gesagt, ich finde ihn eher scheußlich, was Giovanni überhaupt nicht verstehen kann. Ihm schmeckt er, und in dieser Phase weiß er schon, dass es ein guter Weißwein wird. Wenn er das sagt, dann wird es wohl so sein. Er muss es ja wissen!

Der vino sfuso 

Dann ein weiterer Tank und ein weiterer Test. Jetzt kommen wir zu dem, was ich unter Wein verstehe: der vino sfuso, der offene Wein, den Giovanni mir auch schon einmal beim Abendessen eingeschenkt hat. Allerdings nur zur Vorspeise, denn zu viel davon wäre eher unbekömmlich. Mit dieser „Verkostung“ beenden wir unsere Tour durch den Weinkeller. Mir schwirrt der Kopf.  – Ob das wohl vom Wein ist oder von all den Informationen …? Ich muss das Gelernte jedenfalls erstmal verarbeiten.

Was habe ich also gelernt? Bis die Trauben von der Rebe ins Glas gelangen, gibt es verschiedene Stufen der Gärung und Reifung. Erst dann wird der Wein in Flaschen abgefüllt, von denen die eine oder andere bestimmt auf meinem Tisch landet. :-), zumal ich Foffani-Weine auch in Deutschland kaufen kann, online.

Danke Giovanni, dass du mir von deiner Familie erzählt und einen Einblick gegeben hast, wie man guten Wein macht.

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