Die Madonnina – Seele und Herz Mailands

Die Madonnina – Seele und Herz Mailands

[Update: 12. Mai 2024] „Geht’s noch?“, war mein erster Gedanke, als ich die italienische Flagge neben der Madonnina im Wind wehen sah. Was hat eine Nationalflagge auf dem Mailänder Dom zu suchen? Denn die Madonnina thront auf der zentralen Turmspitze des achteckigen Vierungsturms. Die vier Meter hohe goldene Statue  machte den Dom lange Zeit zum höchsten Gebäude der Stadt. Sie ist weithin sichtbar und an sonnigen Tagen glänzt sie, als würde sie leuchten. Wenn der Dom das Wahrzeichen der Stadt ist, dann ist die Madonnina hingegen ihre Seele und das Herz. Die Madonnina nimmt eine besondere Rolle im Stadtleben ein. Doch dazu später mehr.

Die Madonnina – Symbol Mailands

Mit dem Bau des gotischen Doms wurde im 14. Jahrhundert begonnen – bei der Schlussweihe 1572 war er immer noch nicht vollendet. So, wie wir ihn heute kennen, entstand er zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Im 18. Jahrhundert hatte er immer noch keine Türme. Der Architekt Francesco Croce erhielt 1762 den Auftrag, den Hauptturm zu errichten. Drei Jahre später schlug er vor, den „Großen Turm“ mit einer Statue der Jungfrau zu schmücken. Der Vorschlag fand Zustimmung. Dem Bildhauer Giuseppe Perego wurde das Erschaffern der Madonnina anvertraut. 1973 war die Madonnina – gewidmet der Madonna Assunta – fertiggestellt. Aus Sorge vor Blitz und Wind blieb sie jedoch zunächst in der Werkstatt.

Seit 1774 thront und wacht sie über die Stadt wurde zum Symbol der Stadt – über seinen religiösen Wert hinaus. Sie wird auch von Einheimischen hin und wieder um Hilfe gebeten: So erzählte etwa der Designer Domenico Dolce, dass er, als er nach Mailand kam, die Madonnina gebeten habe, ihn nicht nach Sizilien zurückzuschicken und ihn hier bleibenzulassen. Sie erhörte ihn.

Beflaggung der Madonnina

Doch was hat es mit der Beflaggung nun auf sich? Nach etwas Internetrecherche stieß ich auf die Antwort. Die Beflaggung geht auf die „Cinque Giornate di Milano“, den Fünf-Tage-Aufstand vom 18. bis 22. März 1848, zurück. Der Aufstand richtete sich gegen die österreichische Besatzung. In dessen Zuge wurden die österreichischen Truppen aus der Stadt vertrieben (und nahmen sie drei Monate später auch wieder ein). Damals hissten zwei italienische Freiheitskämpfer die Flagge dort oben.

An bestimmten Tagen wird auch heutzutage die Trikolore gehisst.

Tage, an denen die Flagge gehisst wird

7. Januar, Fest der Trikolore

11. Februar, Lateranverträge, abgeschlossen 1929 zwischen Hl. Stuhl und dem damaligen Königreich Italien, vertreten durch Benito Mussolini, in welchem endgültig die sogenannte Römische Frage geklärt wurde. Sprich der Papst erkennt Rom, als Sitz der italienischen Regierung an, während der italienische Staat die politische und territoriale Souveränität des Vatikans garantiert.

17. März, Tag der nationalen Einheit, der Verfassung, der Hymne und der Flagge (Giornata dell’Unità nazionale, della Costituzione, dell’inno e della bandiera)

18. bis 22. März, in Erinnerung an den Fünf-Tage-Aufstand

25. April, Tag der Befreiung vom Faschismus

1. Mai, Tag der Arbeit

9. Mai, Europatag

2. Juni, Tag der Republik (Am 2. Juni 1946 hatten sich die Italiener*innen in einer Volksabstimmung für die Abschaffung der Monarchie und für die Gründung der italienischen Republik ausgesprochen)

28. September, Vier Tage von Neapel (Volksaufstand vom 27. bis 30. September 1943 in Neapel gegen den Faschismus und die Besatzung der deutschen Truppen)

4. Oktober, Gedenktage von San Francesco und Santa Caterina (hl. Franz von Assisi und hl. Katharina von Siena), Schutzpatron und Schutzpatronin Italiens,

Bis auf die März-Termine werden an den anderen Tage in ganz Italien staatliche Gebäude beflaggt. Überrascht hat mich, dass zum Gedenktag des Stadtpatrons Ambrosius von Mailand (7. Dezember) keine Flagge weht.

Die Madonnina – Seele und Herz Mailands

Noch einmal zurück zum eingangs erwähnten besonderen Verhältnis der Mailänderinnen und Mailänder zu ihrer Madonnina. Bis in die 50er Jahre durfte aus frommen Gründen – die Madonnina beherrscht die Stadt und nicht andersrum – kein Hochhaus höher sein, als der Vierungsturm auf dem die Madonnina thront.

Spielen AC Milan und Inter Mailand gegeneinander, wird es als „Derby della Madonnina“ bezeichnet. Das Lied „Oh mia bela Madunina“ im Mailänder Dialekt gesungen, gilt als inoffizielle Hymne Mailands. Es gehört auch zu den Fan-Liedern sowohl des AC Milan als auch der Nordkurve von Inter Mailand.


Canzone – das Lied zum Beitrag

Klar, dass die im Mailänder Dialekt gesungene, inoffizielle Hymne Mailands, „Oh mia bela Madunina“, das Lied zum Artikel ist.


 

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Ulrike a MilanoDie Artikel „Mailand-Tipps: Sehenswürdigkeiten, Essen, Shopping, Wissenswertes” und „Zurück aus Mailand” geben einen ersten Überblick.
Mehr zu meinen liebsten Stadtteilen findest du in  „Fotoshooting in Mailands Straßen” sowie „Mailand-Tipps. Ein Tag rund um Sant‘Ambrogio
Über unbekanntere Ecken schreibe ich in „Geheimtipps für den nächsten Mailand-Besuch“.
Über eine besondere Ausstellung geht es in diesem Artikel „Dal cuore alle mani von Dolce&Gabbana

 

 

 

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