
[Update 30. Juli 2025] Es ist ein spätsommerlicher Tag in Triest. Beschwingt trete ich vor die Tür meines Hotels*, die Sonnenstrahlen kitzeln mein Gesicht, ich atme einmal tief ein und rieche das Meer. In der Ferne sehe ich ein paar Schiffe. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite lassen sich einige Triesterinnen und Triester auf der gepflasterten Uferpromenade mit einem Handtuch nieder. Besonders gut Organisierte haben auch einen Liegestuhl dabei.
Inhaltsverzeichnis
Triest und das Meer: eine innige Beziehung zum Baden
Häufige Fragen zum Baden in Triest
Wo kann man in Triest am besten baden?
Auf der Barcola‑Promenade, bei den Topolini-Terrassen oder in Badeanstalten wie El Pedocin und Ausonia – je nach Vorliebe für Natur, Ruhe oder urbanes Flair.
Sind diese Badestellen kostenpflichtig?
Die Barcola ist kostenlos zugänglich. El Pedocin kostet ca. 1 €, andere Badeanstalten (z. B. Ausonia) verlangen zwischen 3 € und 7 € Eintritt, je nach Tageszeit.
Wie erreicht man die Badeplätze ohne Auto?
Mit den Bussen 6 oder 36 gelangt man vom Zentrum aus direkt zur Barcola und zu den Badeanstalten.
Gibt es Sandstrände in Triest?
Nicht im klassischen Sinn. Die meisten Plätze bestehen aus Beton oder Felsen. Einige Lidos bieten aber flache Kies- oder Sandflächen.
Die teils schattige etwa 5 km lange Uferpromenade von Barcola verläuft vom Schloss Miramare bis zum Pinienwald Barcola und ist für Triests Bevölkerung Stadtbadestrand – und noch mehr. Die Triester und Triesterinnen haben nämlich eine ganz besonders innige Beziehung zum Meer: Hier werden Liebeserklärungen gemacht, Beziehungen beendet, man kommt zum Lesen, zum Baden oder was auch immer hierher. Im Sommer wie im Winter.
Diese einzigartige Verbindung von Stadt, Meer und Lebensart spiegelt sich auch in den historischen Kaffeehäusern Triests wider, die seit Jahrhunderten Treffpunkte für Einheimische und Reisende sind.
Barcola‑Promenade: Baden ohne Sand in Triest
Ich laufe Richtung Innenstadt. Steinküsten säumen die breite Pflasterpromenade auf der einen Seite, auf der anderen trennt eine Oleanderhecke die Promenade von der Fahrbahn.
Wer zum Baden kommt, kommt mit dem Bus oder parkt sein Auto oder den Motorroller direkt an der Promenade, streift die Kleidung ab und macht einen Sprung ins azurblaue kühle Wasser. Die Barcola ist einer der öffentlich zugänglichen Badeplätze in Triest. Ideal für alle, die ohne Sandstrand, dafür mit echtem Meergefühl baden wollen. Ganz nebenbei ist die Barcola auch noch bequem mit dem Bus erreichbar.
In Triest gibt es keinen Strand im herkömmlichen Sinne. Die langen Sandstrände mit aufgereihten Liegestühlen sucht man hier vergebens. Ok, es gibt auch ursprüngliche Sand- oder Steinstrände im Rest Italiens. Aber Baden ohne Sand, direkt von der Promenade und mit Badeanstalten auf Stelzen – das gibt’s nur in Triest. Überhaupt ist Sand für die Triester und Triesterinnen nur ein lästiges Etwas, das nach dem Schwimmen an der Haut klebt.
Die beste Zeit zum Baden in Triest ist natürlich der Sommer, doch auch im Frühling und Herbst kann man oft noch an sonnigen Tagen im azurblauen Meer schwimmen. Viele Einheimische genießen die ruhigeren Tage außerhalb der Hauptsaison. Deshalb ist Baden in Triest im Frühling oder Herbst eine Alternative für alle, die es etwas entspannter mögen und das milde Klima der Adria schätzen.
In Triest ins Bad: Die lokale Badekultur im Detail
Triesterinnen und Triester gehen nicht ans Meer, sondern ins Bad (andare al bagno). Das Meer ist so nah an den Wohnhäusern, so als würde man nur durch eine Tür treten und schon im Bad stehen. Da es so nah ist, verbringen sie auch viel Zeit „im Bad“: morgens, in der Mittagspause, abends, ein letztes Bad, bevor’s zum Abendessen geht.

Ich laufe Slalom zwischen ausgebreiteten Handtüchern und mitgebrachten Liegestühlen, komme an kleinen Büdchen vorbei, die Snacks und Getränke anbieten. Bunte Korbsessel und Tische stehen im Schatten daneben. Ich höre das Lachen von Kindern, den Aufprall der Jugendlichen, die von den Klippen ins Meer springen und sehe das Wasser aufspritzen. Triest erzählt seine Geschichten nicht nur übers Meer, sondern auch durch Menschen – wie in der Geschichte von Christian Klinger und den Liebenden von der Piazza Oberdan, in der es um die Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg geht.


Topolini-Terrassen in Barcola: einzigartige Badeterrassen
Ich komme an den „Topolini“ (Mäuschen oder Mickey Mouse) vorbei. Den Namen haben diese zehn halbrunden Terrassen von der Mäuseohren ähnlichen Form. Am Ufer aufgereiht ragen sie ins Meer. Im vergangenen Jahr haben die Topolini Namen beliebter Persönlichkeiten der Stadt bekommen: Das Topolino eins ist der Astrophysikerin Margherita Hack gewidmet, die Nummer neun dem Modeschöpfer Ottavio Missoni und die Nummer acht der Schauspielerin Ave Ninchi, um ein paar zu nennen.


Schließlich erreiche ich das Pinienwäldchen von Barcola. Hier im Schatten der Bäume sitzen ältere Frauen und Männer auf mitgebrachten Stühlen an Tischen und spielen Karten oder unterhalten sich.
Badeanstalten in Triest: El Pedocin, Ausonia und Co.
In Triest gibt es neben der Uferpromenade eine weitere Besonderheit: Badeanstalten auf Stelzen. Etwa das Bagno La Lanterna Pedocin, kurz „El Pedoncin“ im Süden der Stadt, nicht unweit des Hafens. 1903 eröffnet gehen hier bis heute Männer und Frauen getrennt voneinander baden. Eine Hälfte ist für Frauen reserviert, die andere, durch eine Mauer getrennt, für Männer.

Nicht weit davon entfernt gibt es das bei Alt und Jung beliebte L’Ausonia oder das etwas außerhalb gelegene Bagno da Sticco in der Nähe des Schlosses Miramare.
In den folgenden Tagen plante ich meine Besichtigungstouren durch Triest immer so, dass ich abends noch rechtzeitig zum Baden zurück war und machte es den Triesterinnen gleich: T-Shirt abgestreift und ab ins Wasser.
Canzone – Das Lied zum Beitrag
Wie zu so vielen italienischen Städten, so gibt es auch ein musikalische Liebeserklärung an die Stadt. „Trieste“ heißt das Lied von Sergio Endrigo.
Tipps: Besuch doch auch das Schloss Miramare*, das wie der Name schon vermuten lässt, direkt am Meer liegt. Oder wie wäre es mit einer geführten Radtour* – in und im Triest – Besuche einiger historischer Cafés inklusive?
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