Historische Cafés in Triest

Historische Cafés in Triest
Caffè Tommaseo in Triest

Triest ist bekannt für seinen Kaffee. Die Stadt an der oberen Adria gilt als Kaffeehauptstadt Italiens und ist bekannt für seine Traditions-Kaffeehäuser, die an die Kaffeehäuser in Wien erinnern. Einige dieser historischen Cafés – das älteste stammt aus dem Jahr 1830 haben sich bis heute erhalten und erfreuen sich nicht nur bei Touristinnen und Touristen großer Beliebtheit.

Historische Cafés in Triest sind Orte der Begegnungen

Heute nehme ich dich mit auf eine Tour durch die historischen Cafés, die ich während meines mehrtägigen Triestaufenthalts besucht habe. Solltest du eines der Kaffeehäuser besuchen, dann bringe auf jeden Fall Zeit mit und setze dich an einen der Tische, genieß einen Kaffee oder iss eine Kleinigkeit. Die historischen Cafés in Triest sind voller Charme. Im Gegensatz zu den klassischen Bars, in denen der Espresso oder Cappuccino schnell und im Stehen getrunken wird, sind die Kaffeehäuser damals wie heute Orte der Begegnung und Gespräche. Intellektuelle, Anhänger der irredentistischen Bewegung oder Literaten wie Italo Svevo, James Joyce, Umberto Saba, aber auch Rainer Maria Rilke trafen sich einst in diesen Cafés.

Wie bestelle ich einen Kaffee in Triest

Bevor ich dir die Cafés vorstelle, solltest du wissen, dass es ein eigenes „Lexikon” für die Bestellung der verschiedenen Kaffees gibt. In manchen Cafés wird den nicht einheimischen Gästen eine Liste der Triester „Kaffee-Sprache” ausgehändigt.

Eine kurze Anleitung zum Bestellen eines Kaffees in Triest

·    Espresso in der Tasse: un nero (schwarzer)
·    Espresso im Glas: un nero in b (b steht für bicchiere = Glas)
·    Espresso macchiato in der Tasse: un capo (Espresso mit einem Klecks geschäumter Milch)
·    Espresso macchiato im Glas: un capo in b
·    Kaffee mit einem kleinen Milchschaumhäubchen: una goccia (Tropfen)
·    Cappuccino: un caffè latte

Nachdem du nun die Termini kennst, kann’s losgehen mit unserer Tour.

Caffè degli Specchi

Historische Cafés in Triest
Caffè degli Specchi in Triest

Das Caffè degli Specchi ist aufgrund seiner Lage wohl das bekannteste (und touristischste) Kaffeehaus der Stadt. Es liegt direkt am Hauptplatz, dem Piazza dell’Unità. Es wurde 1839 eröffnet und war ein Treffpunkt von Kaufleuten und Intellektuellen etwa von Rainer Maria Rilke, Franz Kafka oder James Joyce. Das Caffè degli Specchi gilt als der Salon von Triest.

In den Sommermonaten sind im Freien zahlreiche Tische aufgestellt. Ich stelle es mir schön vor, dort bei Sonnenuntergang mit einem leckeren Getränk zu sitzen, die Prachtbauten zu betrachten und dem Treiben auf der Piazza zuzusehen. Ich habe bei meinem Triest-Besuch darauf verzichtet, da der Piazza mit Infoständen im Rahmen der Barcolana zugestellt war.

Den Namen erhielt das Café übrigens vom Gründer, der die Wände des Raumes mit zahlreichen Spiegeln (specchi) verzierte, auf denen wichtige historische Ereignisse des 19. Jahrhunderts eingraviert waren. Auf diese Weise erschien die Umgebung besonders hell und ermöglichte es, Öllampen zu sparen.

Caffè Tommaseo

Dieses historische Café ist das älteste noch existierende Traditionskaffeehaus in Triest und liegt an der Uferpromenade (Lungomare). Es wurde 1830 eröffnet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Caffè Tommaseo eines der Zentren der irredentistischen Bewegung in Triest. Auch heute noch ist das Kaffeehaus ein beliebter Treffpunkt von Triestiner Kaufleuten, Künstlern, Künstlerinnen und anderen Intellektuellen.

Wechselhafte Geschichte

Das Kaffeehaus wurde ursprünglich nach seinem Inhaber Tomaso Marcato Caffè Tomaso genannt. 1848 wurde das Kaffeehaus zu Ehren des dalmatischen Schriftstellers und Patrioten Niccolò Tommaseo in Caffè Tommaseo umbenannt. In jener Zeit war das Café ein beliebter Treffpunkt des italienischen Risorgimento. Nach der Hinrichtung des Irredentisten Guglielmo Oberdan im Jahr 1882 wurde der Name des Kaffeehauses aus Angst vor der Reaktion Österreich-Ungarns wieder in Caffè Tomaso geändert. Seit 1918, als Triest Italien zugesprochen wurde, heißt das Kaffeehaus wieder Caffè Tommaseo. Zu Erinnerung: Triest stand mit einer Ausnahme (1809 bis 1814) seit 1382 unter Österreichisch-Habsburgischer Herrschaft.

Schlicht und edel

Das Interieur ist wunderschön: antike Spiegel, dunkles Parkett, Stuck an den Wänden und der Decke. Während meines Besuchs befanden sich in einem Teil des Raumes schlichte Holz-/Bistrotische und Holzstühle. In dem anderen Teil war fürs Abendessen gedeckt mit gestärkten, weißen Tischtücher und Servietten, silbernen Platztellern und Silberbesteck. Die Atmosphäre empfand ich als sehr angenehm und ruhig – so ganz ohne Hektik.

Caffè Tommaseo in Triest

Ich war dort zum Abendessen und abgesehen davon, dass mein Menü köstlich war, waren die Kellner in weißen Jacken und mit Handschuhen (!) äußerst zuvorkommend. Die Kellner waren aber nicht so steif, wie ihre Kleidung vermuten lässt. Ganz im Gegenteil. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und komme bestimmt wieder.

Caffè Tommaseo in Triest

Kuriosität am Rande: Das Caffè Tommaseo war die erste Bar in Triest, die Eis verkaufte. Außerdem ist das Caffè Tommaseo seit 1954 als historisches und künstlerisches Denkmal geschützt und gehört zu den Locali Storici d’Italia.

Antico Caffè San Marco

Antico Caffè San Marco in Triest

An Tag zwei habe ich das Caffè San Marco aufgesucht. Ich hatte Lust auf ein kleines Mittagessen und ein bisschen zu lesen, schließlich hatte ich mir aus Mailand eine kurzweilige Lektüre mitgebracht. Außerdem verkehrten dort die Protagonisten des Buches „Die Liebenden von der Piazza Oberdan“, das ich verschlungen hatte. Gesagt, getan. Dieses historische Kaffeehaus liegt etwas abseits vom Zentrum in der Via Battisti 18. Es wurde 1914 im Erdgeschoss eines Gebäudes von Generali eröffnet. Schnell hat sich auch dieses Café zu einem Anlaufpunkt für die Irredentisten entwickelt. Hier wurden unter anderem gefälschte Pässe hergestellt, um anti-österreichischen Patrioten die Flucht nach Italien zu ermöglichen. Pro-österreichische Eindringlinge verwüstet das Café allerdings schon 1915. 1918 wurde es wieder eröffnet, blieb aber über Jahrzehnte hinweg weitgehend unbeachtet.

Die Einrichtung und Dekoration sind vom Stil der Wiener Sezession inspiriert: Möbel in dunklem Mahagoni, Marmortische mit gusseisernem Untergestell, große Spiegel und Fenster sowie Originaldekorationen an den Wänden.

Antico Caffè San Marco in Triest

Als vor einigen Jahren ein neuer Pächter das Antico Caffè San Marco übernommen hat, wurde eine Buchhandlung eröffnet.

Auch in diesem Kaffeehaus herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre. Ein Ort mit einem sehr gemischten Publikum: junge Leute mit ihren Laptops, Menschen, die sich zum Plaudern treffen oder auch Touristinnen, die zum Lesen herkommen.

Historische Cafès in Triest
Buchhandlung im Antico Caffè San Marco in Triest

Urbanis

Das Caffè Urbanis  befindet sich ganz in der Nähe des Piazza dell’Unità mit Blick auf den Piazza della Borsa. Es wurde 1832 als Konditorei eröffnet. Von der historischen Anmutung ist allerdings nicht mehr viel zu spüren. An der Decke sind noch Reste der ursprünglichen Fresken zu sehen. Auf dem Fußboden sind noch Originalmosaiken mit dem Gründungsdatum und verschiedenen Symbolen, die sich auf das Meer und die Stadt beziehen, enthalten. Mich hat das Urbanis nicht geflasht, weil es für ein historisches Café in Triest „zu normal“ war.

Historische Cafès in Triest

Caffè Stella Polare

Historische Cafès in Triest
Caffè Stella Polare

Viertes und letztes Café der Tour ist das Caffè Stella Polare in der Via Dante Alighieri 14. Es wurde 1865 gegründet und liegt nur wenige Schritte vom Canal Grande entfernt.

Von dem einstigen Glanz ist nichts mehr zu spüren. Ich habe dort lediglich einen nero in b im Stehen getrunken, weil ich die Atmosphäre nicht sehr einladend empfand. Würde das Café nicht als historisch bezeichnet, hätte ich es nicht besucht.

Draußen am Canal Grande steht James Joyce (1882-1941), zumindest ein Denkmal. Denn der irische Schriftsteller lebte von 1905 bis 1915 in Triest und besuchte gerne die Kaffeehäuser.

Statue von James Joyce in Triest

Für mich  hingegen endete hier meine Kaffeehaus-Tour. Meine zwei Favoriten sind das Caffè Tommaseo und das Antico Caffè San Marco. Ich mache mich nun auf den Weg, um meinen letzten Tag in Triest beim Baden lungomare ausklingen zu lassen.

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Die Liebenden von der Piazza Oberdan

Buchbesprechung: Christian Klinger, Die Liebenden von der Piazza Oberdan
Reisevorbereitung: Persönliche Notizen zur Reiseplanung (nach Triest)
Besonderes Erlebnis: Traubenlese auf dem Weingut Foffani

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Comments

  1. Wolfgang Holthoff says

    Hallo, liebe Frau Schmid,
    wie schön, dass ich Ihren Blog gefunden habe. Noch schöner ist, dass Sie eine Kaffeetour durch Triest gemacht haben. Meine Frau und ich waren erst im letzten September – zum 5. Mal – in Triest. Ich dachte, wir hätten dort schon alle besonderen Cafe´s gesehen und dann finde ich bei Ihnen das Urbanis und das Stella Polare. Danke dafür. Die werden wir beim nächsten Besuch aufsuchen. Übrigens: Waren Sie schon mal zu Silvester in Triest? Das ist ein Erlebnis der besonderen Art. Wir waren zum Jahreswechsel 2019/20 dort. Auf der Piazza d´ Unita war ein Riesenfest. Kurz vor 24 Uhr wurde die Zeit runtergezählt und alle zählten mit. Punkt Null Uhr wurde das neue Jahr mit tanti auguri lauthals begrüßt. Und dann erklang über der Piazza der Kaiserwalzer und alle haben mitgetanzt. Es war einfach nur schön. Danach gab es keine Raketen und Böller in der Stadt. Dafür wurde auf der Molo Audace ein Feuerwerk der allerfeinsten Art gezündet. Das dauerte fast eine halbe Stunde. So etwas hatten wir noch nie gesehen.
    Bis zu Ihrem nächsten Blog tanti saluti da Stoccarda

    • Ulrike Schmid says

      Lieber Herr Holthoff,

      wie schön, dass Sie den Weg zu mir gefunden haben. Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Er hat mir vorhin ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Der diesjährige war auch mein erster Triest-Aufenthalt. Ich behalte auf alle Fälle im Hinterkopf, dass ich zum Jahreswechsel noch mal nach Triest sollte …. Es war sowieso nicht mein letzter Besuch.

      Bezüglich Urbanis und Stella Polare – erwarten Sie bitte nicht zu viel. Diese beiden Cafès fand ich am wenigsten historisch. Sie sind mit den anderen dreien nicht zu vergleichen – eher langweilig.

      Herzliche Grüße
      Ulrike

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