
[Update Oktober 2025] Auch in diesem Jahr, 2025, blickt die literarische Welt gespannt nach Stockholm: Wer wird den Nobelpreis für Literaturerhalten? Die Namen? Sie bleiben wie gewohnt bis zur offiziellen Bekanntgabe am Donnerstag, 9. Oktober 2025, 13 Uhr, streng geheim.
Passend zur Vergabe möchte ich dir die Autorinnen und Autoren aus Italien vorstellen, die in den letzten 100 Jahren den Nobelpreis für Literatur gewonnen haben. Anlass ist nicht nur die neue Vergaberunde, sondern auch mein Besuch im Geburtshaus einer Preisträgerin.
Inhaltsverzeichnis
An wen ging der Nobelpreis für Literatur bereits in Italien?
Von 1901 bis heute haben fünf italienische Männer und eine Frau den Nobelpreis für Literatur erhalten:
- Giosuè Carducci (1906)
- Grazia Deledda (1926)
- Luigi Pirandello (1934)
- Salvatore Quasimodo (1959)
- Eugenio Montale (1975)
- Dario Fo (1997)
Giosuè Carducci (1906) – Der erste italienische Literaturnobelpreisträger
Der erste Preisträger ist Giosuè Carducci (1835-1907). Er war Dichter, Redner und Literaturhistoriker. Er erhielt den Literaturnobelpreis 1906, ein Jahr vor seinem Tod. Da der schwerkranke Dichter nicht zur offiziellen Zeremonie nach Stockholm reisen konnte, überreichte Baron De Bildt, schwedischer Minister, Carducci den Preis direkt in seinem Wohnhaus in Bologna (kann auch besichtigt werden). Dies geschah zur gleichen Zeit während in Schweden die Zeremonie stattfand.
Bekannte Werke von ihm sind etwa „Ausgewählte Gedichte“, „Ça ira. Zwölf Sonette“ oder „Odi Barbare“.
Grazia Deledda (1926) – Die einzige Italienerin mit dem Nobelpreis
Grazia Deledda (1871–1936) erhielt den Nobelpreis offiziell 1927, nachdem 1926 kein Preis vergeben wurde. Sie bleibt bis heute die einzige italienische Nobelpreisträgerin für Literatur.

Tipp
Nicole vom Blog pecora nera hat Grazia Deledda einen Artikel gewidmet und darin auch eine kleine Tour entworfen, die zu Orten ihres eigenen Lebens sowie ihrer Bücher führt. pecora-nera.eu
Ihr Geburtshaus in Nuoro auf Sardinien ist heute ein Museum mit persönlichen Gegenständen, Manuskripten und der Nobelpreisurkunde – inklusive eines Glückwunschschreibens von König Vittorio Emanuele III. Auch in Nuoro selbst erinnert vieles an die berühmte Ex-Bewohnerin: Neben dem Geburtshaus sind dies Zitate an Häuserwänden oder auch eine Statue.
In ihren Romanen schilderte Deledda eindrucksvoll das sardische Alltagsleben. Bekannte Werke: „Schilf im Wind“ (Cane al vento), „Die Mutter“ (La madre) und „Cosima, die Jugend einer Dichterin“ (Cosima).
Luigi Pirandello (1934) – Meister des modernen Theaters
1934 ging der Nobelpreis für Literatur an Luigi Pirandello (1867-1936). Der sizilianische Schriftsteller aus Agrigent ist Autor berühmter Romane und Theaterstücke, Letzteren verdankt er seinen Weltruhm. Bei der Preisverleihung erregte er Aufsehen, weil er keine offizielle Rede hielt. Das gab es bis dato noch nie.
Einige Werke von ihm: „Novellen für ein Jahr“ (Novelle per un anno), Prosa; So ist es – wenn es Ihnen so scheint (Così è se vi pare), Sechs Personen suchen einen Autor (Sei personaggi in cerca d’autore) Dramen; „Jenseits der Notenschlüssel“ (Fuori di chiave), Lyrik.
Salvatore Quasimodo (1959) – Erneuerer der modernen Dichtung
Salvatore Quasimodo (1901-1968) gewann den prestigeträchtigen Preis im Jahr 1959. In der Laudatio hieß es Quasimodo sei
ein Erneuerer der modernen Dichtung, sein menschliches Pathos bricht unwiderstehlich die hermetische Form, in der er zuerst gebunden war.
Werke von ihm sind: „Und plötzlich ist es Abend“ (Ed è subito sera), „Versunkene Oboe“ (Oboe Sommerso) oder „Poesie“.
Eugenio Montale (1975) – Der Lyriker
Eugenio Montale (1896-1981) erhielt den Preis 1975 für
seine herausragende Poetik, die mit großer künstlerischer Sensibilität menschliche Werte unter dem Symbol einer illusionslosen Lebensvision interpretierte.
In den fünfziger und sechziger Jahren galt der aus Ligurien stammende Montale als der größte lebende italienische Dichter, als Vorbild der säkularen und liberalen Kultur.
In seinen Gedichtbänden beschreibt er häufig die Landschaft Liguriens. Werke von ihm sind etwa „Die Knochen des Tintenfisches“ (Ossi di seppia), „Anlässe“ (Le Occasioni), „Der Sturmwind und anderes“ (La bufera e altro).
Dario Fo (1997) Der Schauspieler mit Nobelpreis
An Dario Fo (1926-2016) ging der Nobelpreis für Literatur 1997. Fo war nicht nur Erzähler, sondern auch Theaterautor, Regisseur, Bühnenbildner, Komponist, Erzähler, Satiriker und Schauspieler. Er war der erste Schauspieler der diesen Preis erhielt. Viele seiner Werke sind gemeinsam mit seiner Frau Franca Rame (1929–2013) entstanden.
Werke von ihm sind unter anderem: „Er hatte zwei Pistolen und seine Augen waren schwarz und weiß“ (Aveva due pistoli con gli occhi bianchi et neri), Komödie in drei Akten mit Gesang; „Einer für Alle, Alle für Einen! Verzeihung, wer ist hier eigentlich der Boss?“ (Tutti uniti! Tutti insieme! Ma scusa quello non è il padrone?; „Der Papst und die Hexe“ (Il Papa e la strega).
Kennst du einen der Preisträger oder die Preisträgerin? Hast du von der einen oder dem anderen schon etwas gelesen? Ich muss gestehen, dass ich außer dem Büchlein „Gli imbianchini non hanno ricordi“ von Dario Fo aus der Easy-Reader-Reihe des Klett Verlags noch von keinem etwas gelesen habe – oder zumindest ist nichts Bleibendes in Erinnerung geblieben. Das soll sich aber ändern …
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