Von Dante zum Ort der Steine. Die Kellereien Bredasole und Cornaleto in Franciacorta

Von Dante zum Ort der Steine. Die Kellereien Bredasole und Cornaleto in Franciacorta

[versione italiana]

Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs und komme ganz zufällig und ohne Voranmeldung am Weingut Bredasole in Paratico vorbei. Als ich das Schild an der Hofeinfahrt zum Weingut sehe, fällt mir sofort das Porträt von Dante Alighieri auf. Dante Alighieri?, frage ich mich. Nur wenig später erfahre ich, dass die Familie Dantes Profil gewählt hat, um an den Aufenthalt des großen Dichters auf dem Schloss der Lantieri, damals Feudalherren in Paratico, zu erinnern. Das Porträt Dantes ist das Leitmotiv des Weinguts, und so finden wir es auf allen Produkten von Bredasole.

Weinlesetag bei Bredasole

Meiner Frage, ob ich die Kellerei besichtigen könne, muss Luigi Ferrari, einer der drei Besitzer des Weinguts, leider eine Absage erteilen. Es ist Weinlesetag und jeden Moment können die Traktoren mit den köstlichen reifen Trauben kommen. Verständlich also! Aber ich kann trotzdem bleiben, etwas probieren und in den Weinkeller gehen. Nur für eine Führung ist an diesem Tag natürlich keine Zeit. Ich entscheide mich erstmal fürs Probieren: Brut, Rosè, Satèn. Letzterer hat’s mir besonders angetan. Irre lecker! 

Von Dante zum Ort der Steine. Die Kellereien Bredasole und Cornaleto in Franciacorta

Aber ich bin ein bisschen irritiert, denn erst am Vortag bei Corte Aura hat man mir erzählt, dass die Ernte für dieses Jahr abgeschlossen sei. Doch man lernt ja nie aus: „Die Weinlese für den Franciacorta ist tatsächlich vorbei, aber nicht für den stillen Wein“, erklärt mir der Besitzer. Anders als das Weingut Corte Aura, produziert Bredasole sowohl Franciacorta als auch Curtefranca, den Rot- und Weißwein der Region, sowie Grappa.

Klingt spannend, und ich beschließe, noch etwas länger zu bleiben, um herauszufinden, was in den nächsten Stunden alles so passiert. Es sollte sich lohnen …

Abbeeren und Pressen

Die Weinberge von Bredasole liegen in unmittelbarer Nähe der Kellerei: in Paratico und Clusane. Mit 14 Hektar gehört das Weingut zu denen der mittleren Größe. Kaum habe ich einen ersten Blick in den Keller geworfen, höre ich schon die Traktoren mit ihren Kisten voller Merlot-Trauben. Es gelingt mir, mich mit zwei Arbeitern ein wenig zu unterhalten, während andere die Vorbereitungen zum Abbeeren, Pressen und Säubern der Kisten treffen. Die Trauben werden übrigens nicht gewaschen. Das ist generell unüblich – auch außerhalb der Franciacorta und Italiens. In der Franciacorta gibt es nur ein Weingut, dass auf‘s Waschen schwört: das Weingut Ca‘ del Bosco. 

Und dann geht’s auch schon los: Alles steht an Ort und Stelle. Zwei Arbeiter leeren die Kisten aufs Förderband, ein weiterer kümmert sich um das Säubern der Kisten und stapelt sie ordentlich, wieder ein anderer kontrolliert das Abbeeren. Ich schau mir das Spektakel fasziniert an. Alle arbeiten zügig, aber von Hektik keine Spur. Alles ganz entspannt. Aber warum auch? Die meisten von ihnen sind seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen, haben händisch die Trauben geerntet und müssen sie jetzt nur noch abladen und in die Presse schütten. Das war’s dann erstmal. Ich bin neugierig und beschließe am nächsten Tag wiederzukommen.

Kennst du eins, kennst du noch lange nicht alle

Und so bekomme ich dann doch noch eine Führung und lerne die Besonderheiten von Bredasole kennen. Kein Weingut ist wie das andere. Hier lässt man den Most für den Satèn sowohl in einer Amphore als auch in Holzfässern gären und mischt beide Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt. Das Rütteln findet hier noch von Hand statt. Dazu stecken die Flaschen in speziellen Holzgestellen, so genannte Rüttelpulte. Am ersten Tag liegen die Falschen waagerecht, leicht zum Kronkorken geneigt. Über einen bestimmten Zeitraum hinweg werden die Flaschen dann gerüttelt. Durch das Rütteln setzt sich die Hefe auf dem Verschluss ab und kann dann unter Druck entweichen. 

Von Dante zum Ort der Steine. Die Kellereien Bredasole und Cornaleto in Franciacorta

Gestapelte Franciacorta-Flaschen

Cornaleto – Alle guten Dinge sind drei

Am nächsten Tag besuche ich schließlich das dritte und leider auch schon das letzte Weingut während meines Aufenthalts. Das Wetter ist bescheiden und so entscheide ich mich für den Bus und laufe dann noch ein Stückchen bis zum Weingut Cornaleto. Es befindet sich in Adro, nicht weit entfernt vom Weingut Corte Aura. Ich suche nach einem braunen Schild mit dem großen roten F und den Zinnen, das normalerweise auf eine „Cantina Franciacorta“ hinweist. Fehlanzeige! „Zu viele Schilder“, erklärt mir später der Besitzer. Einen Schilderwald wollte er vermeiden, denn es gibt noch ein Schild für den Agriturismo – das Landhotel. Mit Signore Lancini unterhalte ich mich dann nicht nur über seinen Franciacorta, sondern auch über die Historie und den Weinbau allgemein. 

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Der Ort der Steine

Das Weingut entstand 1968. Der Name Cornaleto bedeutet übersetzt „Ort der Steine“. „Corna“ heißt im Brescianischen „Steine“, „leto“ Ort. Damals gab es hier nur ein Bauernhaus, viele Steine und Wälder. Sein Vater musste das Land erst fruchtbar machen. Zwei Jahre verbrachte er allein mit der Erschließung des Geländes.

Nach der Pflanzung dauerte es drei Jahre, bis er die ersten Trauben für einen guten Wein ernten konnte. In der Anfangszeit produzierte er nur Rotwein. Er war der erste Winzer in der Lombardei, der Wein in Barriquefässern ausbaute. In den 70er Jahren kamen dann auch Weißwein und Franciacorta hinzu. Zur Erinnerung: Das Britzelwasser ist noch sehr jung. Die erste Flasche Franciacorta wurde 1961 vom Weingut Berlucchi hergestellt.

Klein aber Millesimato

Auch dieses Weingut gehört zu den kleineren Kellereien. Ich habe wohl irgendwie ein Faible für die kleinen. Bis in die 2000er Jahre hatte es noch 20 Hektar, heute sind es nur noch acht. Aber! Fast alle Franciacorta von Cornaleto sind Jahrgangsweine, also Millesimato. Ein Millesimato ist die absolute Spitzenklasse. Er stammt aus einem einzigen Jahrgang und lagert mindestens 37 Monate auf der Hefe. Eine weitere Cornaleto-Besonderheit ist, dass der Most bis August des darauffolgenden Jahres in den Stahlbehältern steht. Bei anderen Franciacorta-Gütern kommt der Most meist schon im Februar aus dem Tank zur Weitergärung in die Flaschen.

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Cornaleto führt das Rütteln vollautomatisch vor allem in Drahtkörben durch. Jeder Korb enthält 500 Flaschen, die zunächst waagrecht liegen. Der Korb dreht sich dann bei gleichzeitigem Rütteln der Flaschen so weit, bis die Falschen auf dem Kopf stehen und sich die Hefe auf dem Kronkorken sammeln kann. Dieser Vorgang dauert einen Monat. Zwischendurch werden immer wieder Ruhephasen eingelegt.

Ich erfahre auch, dass ein Weinberg etwa 100 Jahre alt werden kann. Da heute intensiver produziert wird, werden oft nach 20 Jahren neue Reben gepflanzt. Mit einem Hektar können 65 Hektoliter Wein produziert werden. Das ergibt etwa 8 666 Flaschen zu je 0,75 Litern. Im Klartext: Cornaleto produziert etwa 70 000 Flaschen pro Jahr.

Nach anderthalb Stunden Erklärung bin ich „durch“, aber auch gut informiert. „Durch“, weil Italienisch ja nicht meine Muttersprache ist. Das hat der Besitzer manchmal vergessen, so sehr war er in seinem Element. Er hat mir viele Einblicke gegeben, ebenso wie Signore Luigi von Bredasole.

Wie alle Franciacorta, sind auch die von Cornaleto und Bredasole D. O. C. G. Die Abkürzung steht für Denominazione di Origine Controllata e Garantita – kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung. Das heißt, dass die Lese von Hand geschieht, die Kisten lediglich ein Fassungsvermögen zwischen 15 und 18 Kilogramm haben dürfen und die zweite Gärung in der Flasche erfolgen muss, um nur einige Kriterien zu nennen.

Vielen Dank, Vittorio Lancini und Luigi Ferrari, für die Exklusiv-Führungen und Erklärungen sowie die Zeit! Es war ein großes Vergnügen. Wäre ich nicht bereits eine Franciacorta-Liebhaberin gewesen, spätestens jetzt wäre ich eine!

Bredasole und Cornaleto sind zwei von 118 Weingütern, die im Konsortium Franciacorta zusammengeschlossen sind und das Britzelwasser produzieren: Den Franciacorta!

 

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