Zurück aus Mailand

Zurück aus Mailand

Seit drei Wochen bin ich zurück aus Mailand. Früher als geplant, weil mein Aufenthalt so ganz anders verlief, als vorgesehen. Ich hab in Mailand rheumatoide Arthritis bekommen – deshalb auch das längere Schweigen hier auf dem Blog. Im April konnte ich in Mailand so gut wie nichts mehr unternehmen.

So hatte ich mir meine Zeit in Mailand nicht vorgestellt. Das macht es auch schwierig die Eindrücke Revue passieren zu lassen und aufzuschreiben, weil der gesamte Aufenthalt von der Erkrankung überschattet ist. Dabei hätte ich gerne sooo viel mehr in Mailand und Umgebung erleben wollen und euch so gerne mehr über das temporäre Leben in meiner zweiten Heimat erzählt.

Bereut hab ich den Aufenthalt auf keinen Fall. Bereichernd war er allemal und wer weiß, vielleicht ergibt sich noch mal eine Möglichkeit … Dann aber mit einer kompletten Auszeit vom „deutschen Leben“. Will heißen ohne für deutsche Auftraggeber*innen zu arbeiten, ohne Blogbeiträge in Deutsch zu schreiben und ohne Social-Media-Präsenz. Dadurch, dass die deutsche Sprache in meinem Mailänder Alltag so präsent war, konnte ich gar nicht so tief ins Italienische eintauchen, wie ich mir das gewünscht hatte.

Der zweimonatige Aufenthalt war eine Wiederbegegnung nach Jahrzehnten mit der Stadt. Ich hab Mailand auf jeden Fall noch mal ganz anders wahrgenommen als während meiner Au-pair-Zeit. Die Stadt hat sich verändert, logisch: Es gibt mittlerweile zahlreiche verkehrsberuhigte Zonen etwa um den Piazza del Duomo oder die Via Dante. Fahrräder gehören mittlerweile zum Stadtbild und auch die Anzahl der Tourist*innen ist mehr geworden.

Das Stadtbild hat sich verändert, nicht jedoch die Menschen. Ich bin nur aufgeschlossenen, hilfsbereiten, freundlichen und großzügigen Menschen begegnet. Und dabei wird den Mailänder*innen nachgesagt, sie seien kurz angebunden und immer mit schnellem Schritt unterwegs.

Ein paar Eindrücke

Mailand ist eine grüne Stadt

Das berühmteste „grüne Haus“ in Mailand ist sicherlich der „Bosco Verticale“, zwei Wohngebäude im Stadtteil Porta Nuova. Hier wurden rund 900 Bäumen und 2.000  Pflanzen auf den Terrassen und Balkonen an den Fassaden gepflanzt, um unter anderem die Biodiversität in Mailand zu verbessern. Die Insekten und Vögel freuen sich – und nicht nur sie.

Mailand-Tipps: bosco verticale

Aber nicht nur an den Fassaden des Vorzeigeprojekts sprießt es, sondern auch an unzähligen anderen Gebäuden. Es gibt kaum einen Balkon oder eine Dachterrasse, auf der nicht Sträucher, Pflanzen oder Bäume wachsen. Überhaupt lohnt es sich in Mailand hochzugucken.

Begrünter Häuserfassaden in Mailand

Alte Bausubstanz

Ich finde es erstaunlich, wie viel alte Bausubstanz noch vorhanden ist, obwohl Mailand im Krieg bombardiert wurde (Stichwort La Scala). Die Häuserfassaden sind aufwändig gestaltet: Balkone, Karyatiden, Friese, Girlanden, Säulen, Figuren – es ist ein wahrer Augenschmaus.

Mailand-Tipps: Klassizistische Bauten

Innenhöfe

Wenn man nicht grade hochschaut, sollte man auf jeden Fall durch die offenen Eingangstore schauen. Dahinter verbergen sich oft wunderschöne Innenhöfe, teils auch mit kleinen Läden oder Ladenpassagen wie etwa im Corso Magenta.

Mailand-Tipps: Innenhöfe

Wo ich gerne war

Besonders gerne war ich rund um Sant‘Ambrogio, am Naviglio Grande und im Tortona-District unterwegs, u. a. auch weil ich in der Gegend gewohnt habe. Genau genommen direkt am Naviglio Grande, allerdings dort, wo sich keine Tourist*innen mehr hin verirren.

Bei schönem Wetter war ich am Sonntagnachmittag auch gerne im Parco Sempione nahe des Castello Sforzesco.

Mailand-Tipps: Park beim Schloss Sforzesco

Das Brera-Viertel lohnt sich immer, egal ob tagsüber oder abends, wenn die Kartenlegerinnen ihre Tischchen aufbauen und die Bürgersteige zum Treffpunkt für Gespräche werden.

Mailand-Tipps: Brera-Viertel

aperitivo

Was wäre Mailand ohne aperitivo? Undenkbar. Meine aperitivi habe ich in der Trattoria „Cicinin della Ripa“ (Ripa di Porta Ticinese 93) nebenan genommen mit Blick auf den Naviglio Grande. Nach dem zweiten Besuch kannten mich Wirt und Bedienung, ich wurde wie eine alte Bekannte begrüßt, und wir hielten ein Schwätzchen. Ich hab mich nie zum Abendessen aufgehalten, doch was ich so auf den Tellern gesehen habe, war sehr ansprechend. Die fast täglich wechselnde Speisekarte enthält wenige, doch dafür regionale Gerichte.

Mailand-Tipps: aperitivo

Apropos aperitivo. Von der Terrasse der terrazza duomo 24 habt ihr einen traumhaften Blick auf den Dom und das Treiben auf dem Domplatz, von der Terrasse des Rinascente „nur“ einen auf den Dom. Die Preise sind bei beiden nicht ganz günstig, doch die Aussicht ist grandios. Im Rinascente kann man auch wunderbar zu Mittag essen. Mein „risotto di pompelmo“ war sehr lecker.

Rückblickend betrachtet war es trotz der Einschränkungen eine schöne Zeit mit tollen Erfahrungen und ich bin sehr froh, dass ich knapp zwei Monate in bella Milano verbracht habe.

Demnächst schreib ich euch noch ein paar Empfehlungen auf.

 

Titelbild: Giovanna Galleno

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