Wenn dich die Krankheit zwingt, deine Ernährung umzustellen

Meine Ernährung bei rheumatoider Arthritis

Gnocchi, Spargel und Lachs

An anderer Stelle hatte ich es schon erwähnt. Was der Orthopäde in Mailand vermutet hatte, hat sich in der Universitätsklinik Frankfurt bestätigt: Ich habe rheumatoide Arthritis (RA), eine chronisch verlaufende Autoimmunerkrankung der Gelenke. Damit bin ich nicht allein. In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen betroffen. RA ist nicht heilbar, aber gut behandelbar.

Ärgerlich, dass die Beschwerden und Bewegungseinschränkungen ausgerechnet während meines Mailand-Aufenthalts aufgetreten sind.

Erstaunlich finde ich, wie der Körper bereits in Mailand auf meine Essgewohnheiten reagiert hat. Generell hatte ich wenig Appetit, entsprechend wenig habe ich gegessen. Auch auf Alkohol hatte ich wenig Lust. Ich trinke sehr gerne Espresso oder Cappuccino am Morgen, begleitete von italienischen Biscotti. Eines Tages „weigerte“ sich der Körper förmlich so zu frühstücken. Ich konnte weder den Espresso trinken noch die Biscotti essen.

Während meines Aufenthalts in der Uniklinik wurde mir aus Versehen einmal Kaffee hingestellt, den ich angewidert zur Seite geschoben habe, weil ich den Geruch nicht ertragen konnte. Mittlerweile kann ich Kaffee wieder riechen, Lust einen zu trinken, habe ich immer noch nicht – obwohl er erlaubt wäre.

Mediterrane Küche

Mediterrane Küche ist nun angesagt. Ich gehe derzeit sogar noch einen Schritt weiter und ernähre mich überwiegend basisch. Will heißen keine Hartweizen-Pasta, kein Zucker. Außerdem verzichte ich auf Produkte aus Kuhmilch und auf Fleisch. Dafür soll ich zweimal pro Woche Fisch essen sagt der RA-Ernährungsplan. Alkohol und Kaffee sind auch weiterhin tabu. Bisher komme ich gut damit klar. Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, ich müsse auf meine geliebte Pasta verzichten, hätte ich gesagt, das geht gar nicht.

Seit zwei Wochen werde ich bekocht. Aufgrund meiner Bewegungseinschränkungen hat mir die Krankenkasse eine Haushaltshilfe genehmigt, die ich selbst aussuchen durfte. Meine liebe Nachbarin Birgit macht den Job und zaubert täglich ganz tolle Gerichte für uns. Hier ein paar Eindrücke.

Gelbe-Linsen-Nudeln mit weißem Spargel und Zitronenmelisse

Auf der Suche nach Alternativen zu Hartweizen und anderen Getreiden bin ich auf Nudeln aus gelben Linsen gestoßen.

Den Spargel hat Birgit mit dem Spargelschäler in dünne Streifen gehobelt und die Spargelköpfe abgeschnitten. Ölivenöl in einer Pfanne erhitzen und zunächst die Spargelköpfe darin anbraten, etwas später die Spargelstreifen hinzugeben und mit Salz und Pfeffer würzen.  Zum Schluss die gekochten Nudeln daruntermischen und auf dem Teller mit Minze oder Zitronenmelisse anrichten.

Polenta mit gegrillten Pastinaken, Karotten, Zucchini, Staudensellerie und Brokkoli

Polenta Zucchini Pasternaken Karotten Brokkoli Staudensellerie

Das Gemüse hat Birgit der Länge nach geviertelt und im Backofen mit Salz, Zitronenpfeffer, Pizzagewürz und Olivenöl gegart. Die Polenta hat sie entsprechend des Packungshinweises quellen lassen. (Den Staudensellerie fanden wir nicht so toll. Auf den verzichten wir beim nächsten Mal.)

Hirse mit Cocktailtomaten und Spinat

Die Hirse hat Birgit in Gemüsebrühe aufquellen lassen, gesalzen, gepfeffert – fertig. Den Spinat hat sie kurz in Olivenöl angedünstet, gesalzen, gepfeffert und geriebenen Muskat dazugegeben. Die Tomaten hat sie nur geviertelt und gewürzt.

Gnocchi (glutenfrei) mit grünem Spargel und Lachs

Die Glutenfreien Gnocchi sind frei von Hartweizen, deshalb fiel unser Wahl auf sie. Den grünen Spargel hat Birgit in circa 3 cm lange Stücke geschnitten und im Backofen mit Salz, Zitronenpfeffer und Olivenöl gegart. Die Gnocchi hat sie in der Pfanne angebraten und dann den grünen Spargel noch kurz mitgebraten. Weil ich Fisch essen soll, gab’s noch Räucherlachs dazu.

Dinkelvolkornnudeln mit Brokkoli, getrockneten Tomaten und Oliven

Ab und an muss es dann doch Pasta sein – zumindest die Dinkelvolkornvariante.

Kräuter-Himbeer-Salat mit Räucherlachs und Buchweizenwaffeln

Räucherforelle Buchweizenwaffeln Kräutersalat Himbeervinaigrette

Quinoa-Pizza mit weißem und grünem Spargel, Rucola, Oliven und Hummus

Das Rezept habe ich bei Denise von foodlovin‘ entdeckt. Unsere Abwandlung bestand darin, dass wir den Teig mit Hummus anstelle mit Joghurt bestrichen haben sowie weißen und grünen Spargel genommen haben.

Ofenspargel mit Ofenkartoffeln und Lachs

Gelbe-Linsen-Nudeln mit Tomatensoße

Kartoffelsalat mit Spiegelei

Noch bin ich am Testen, was mir gut tut. Ist ja alles noch ganz frisch …

Wenn ihr Interesse an detaillierten Rezepten habt, lasst es mich wissen. Dann schreibe ich sie gerne für euch auf.

Habt ihr Erfahrung mit basischer Ernährung? An die Rheumatiker*innen unter euch, welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

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Comments

  1. Ich kann sehr gut mitfühlen wen man buchstäblich von einem Tag auf den anderen viele Dinge ( Essen, Arbeit etc.) umstellen muss weil einem die RA diktiert. Ich lebe jetzt seit 15 Jahren mit der RA und musste mich schon einige male Rechtfertigen in verschiedenen Bereichen des Lebens. Ich hatte bis jetzt das grosse Glück das ich bei der Ernährung nicht viel umstellen musste, nur das ich auf keinen Fall auf milchprodukte verzichten darf, weil nebst der RA und der Fibromyalgie habe ich noch Osteoporose die Rätsel bei einigen Ärzten verursacht. Aber das ist eine lange Geschichte.

    Aber die Rezepte und Menues merke ich mir die sehen sehr fein aus.

    Mit freundlichen Grüssen aus der Schweiz Markus

  2. Lieber Markus,
    ich bin noch in der Experimentierphase. Auf Kuhmilchprodukte zu verzichten war meine Entscheidung. Produkte aus Ziegen- und Schafsmilch esse ich. So ganz ohne Käse und Joghurt möchte ich dann doch nicht sein … Auf Vieles habe ich auch einfach keinen Appetit, wie etwa Kaffee.
    Viele Grüße
    Ulrike

  3. Hallo Ulrike, nachdem ich im Mai in ein Abwasserloch gestürzt bin und eine tiefe, verdeckte Wunde am Knie hatte, habe ich mich auch anti-entzündlich ernährt. Ich habe Antibiotika genommen und wollte die Heilung gerne unterstützen, also kein Zucker, Weizen etc, dafür viel frisches, grünes Gemüse. Und mir ging es wunderbar! Inzwischen drinke ich wieder Kaffee und Alkohol, aber es hat mich tief beeindruckt, wie gut mir die kurzzeitige Umstellung getan hat. In diesem Sinne, ich drücke dir die Daumen und denke an dich, LG Miriam

    • Liebe Miriam,
      ich kann schwer beurteilen, wie es wäre, wenn ich mich anders ernähren würde. Ich habe sofort nach der Krankenhausentlassung umgestellt. Hätte nie gedacht, dass es mir so leicht fällt. Stichwort Pasta. Dass mir Kaffee wieder schmeckt, werte ich als „auf dem Weg zurück in die Normalität“. Alkohol trink ich auch wieder – aber sehr, sehr wenig.

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