Tramezzini: eine italienische Erfolgsgeschichte aus Turin

Tramezzini: eine italienische Erfolgsgeschichte aus Turin. Auf einem Holzbrett liegen nebeneinander drei Sandwiches (Tramezzini)
Tramezzini mit einer Füllung aus Ricotta-Tomatencreme und Feldsalatpesto

Tramezzini (Tramezzino im Singular) sind italienische Sandwiches aus weichem Weißbrot ohne Rinde, unge­toastet und diagonal geschnitten. Dazwischen Füllungen nach Wahl, etwa Thunfisch mit Artischocken. Erfunden wurden sie 1926 im Caffè Mulassano in Turin. Heute zählen sie zu den beliebtesten Snacks Italiens und werden in unzähligen herzhaften und süßen Varianten angeboten.

Die Geburt des Tramezzino in Turin

Der Tramezzino ist eng mit dem Caffè Mulassano in Turin verbunden. Dort kreierte die Mitbesitzerin Angela Demichelis Nebiolo ihn 1926. Den Namen erhielt er vom italienischen Dichter Gabriele D’Annunzio.

Caffè Mulassano

31 Quadratmeter Geschichte: Spiegel, Marmor, Vitrinen, Holz. Draußen prangt über der Eingangstür in geschwungenen Lettern „Mulassano“. Licht fällt durch große Fenster, eingerahmt von Holz. Vor dem Eingang stehen ein paar Tische mit Stühlen.

Das Caffè Mulassano befindet sich unter den Arkaden an der Westseite der Piazza Castello. 1907 eröffnet, wandelten die Besitzer es bald vom Lokal zum Café um. Berühmt wurde es als Geburtsort des Tramezzino.

Angela Demichelis Nebiolo und das italienische Sandwich

Angela Demichelis Nebiolo wanderte jung in dei USA aus und lernte dort ihren Mann Onorino kennen. Die Sehnsucht nach Italien trieb die Familie zurück nach Turin. Dort übernahmen sie das Caffè Mulassano, das gerade neue Besitzer suchte.

Um das Geschäft anzukurbeln, brachten sie Ideen aus Amerika mit. Sie führten Toastbrot ein, das sie ungetoastet und mit reichhaltigen Füllungen anboten. Leicht zu essen und ideal für den Aperitif sollte es sein. Das italienische Sandwich war geboren.

Zunächst boten sie es nur zum Aperitif an. Doch die Gäste waren so begeistert, dass sie die Sandwiches bald als Mittagssnack für die Angestellten und Arbeiter*innen der Umgebung anboten.

Vom Sandwich zum Tramezzino

Gabriele D’Annunzio (1863-1938), Schriftsteller, Kriegsheld und Patriot, gab dem englischen Sandwich den italienischen Namen Tramezzino. Der Begriff leitet sich von tramezze (Trennwand) ab. D’Annunzio übertrug den Begriff auf die beiden Brotscheiben.

Ganz gesichert ist diese Herleitung nicht. Das erste Wörterbuch, das den Begriff 1935 aufnahm, nannte zwar D’Annunzio, setzte allerdings ein Fragezeichen dahinter, schreibt La Repubblica in einem Artikel über die Tramezzini.

Die Enzyklopädie Treccani erklärt Tramezzino als Ableitung von tramezzo, was „etwas in der Mitte“ bedeutet. Die ersten Rezepte für Tramezzini erschienen 1936 in der Zeitschrift La Cucina Italiana.

Das Mulassano nach dem Tramezzino

1938 verkaufte das Ehepaar Nebiolo das Café, um in Turins Vororten Kinos zu leiten. Während der Kriegszeit verfiel das Mulassano. In den 1970er Jahren wurde es restauriert und erstrahlt heute wieder in seiner ursprünglichen Pracht, wie Antonio Vandone es einst entwarf.

Das Caffè Mulassano gilt als Kulturgut der Stadt Turin und ist Mitglied der Vereinigung Locali Storici, die Italiens historische Cafés würdigt.

Der Tramezzino heute

Bei meinem Besuch im Caffè Mulassano habe ich ein Tramezzino probiert. Es wird in Klarsichtfolie serviert– und es schmeckt lecker. Das Mulassano bietet rund 20 Varianten an. Italienweit existieren unzählige Kombinationen: mit Lachs und Rucola, mit Ei, Mayonnaise und Tomaten, mit Hummus, Feldsalat und gegrillten Paprika oder als süße Variante.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Caffè Mulassano Torino (@caffemulassano)

Ich werde mich demnächst an Tramezzini versuchen. Und – je nach Ergebnis – zum nächsten aperitivo reichen und meine Rezepte mit dir teilen.

Leser-Interaktionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert