Radfahren in Mailand

Radeln Milano

Ich schlängle mich an parkenden Autos vorbei, immer darauf achtend in keine Tramschiene zu geraten, benutze auch schon mal Gehwege und schlage einen sehr steilen Winkel beim Überqueren der Tramschienen ein. Davon gibt es hier zuhauf. Ich werde durchgerüttelt von den Pflastersteinen und fahre schon mal gegen die Einbahnstraße.

Und ich bin nicht die Einzige, die hier mit dem Rad unterwegs ist. Fast scheint es, als hätten die Radler die Stadt erobert. Fast – denn noch ist keine Motorino- und Vespa-Zeit, klären mich meine Mailänder Freunde auf. Diejenigen, die ihre Vespa nicht ganzjährige angemeldet haben, sind jetzt noch nicht unterwegs. Dennoch finde ich, dass erfreulich viele mit dem Rad unterwegs sind. Das war vor 10, 20 Jahren noch ganz anders.

Mailand ist flach, also zum Radeln prädestiniert. Dennoch: Radwege oder die offizielle Erlaubnis gegen die Einbahnstraße zu fahren, gibt es noch nicht. Es regt sich aber auch keiner groß auf, wenn es getan wird. Räder dürfen nicht in der Metro mitgenommen werden, Fahrradstellplätze gibt es nicht, ebensowenig werden Helme aufgesetzt. Es läuft trotzdem …

Will ich mir bei Google Maps eine Route aussuchen, habe ich die Wahl zwischen Auto- oder Fußgängerroute. Ich entscheide mich für die Fußgängerroute, wohlwissend, dass ich auch mal den Gehweg mitbenutzen muss. Auch darüber regt sich keiner auf (ich fahre auch sehr, sehr langsam). Die Einzige bin ich auch nicht. „Devi fare il furbo“, sagt ein italienischer Freund, als ich ihm von meinen Raderlebnissen berichte und zieht dabei ein Unterlid nach unten. Die italienische Geste für „sich schlau anstellen“, „pfiffig sein“. Für ihn als eingefleischten Vespa-Fahrer käme Radfahren nie in Frage. 

Unterwegs bin ich mit einem der Räder von bikeMi. Da weiß ich mittels App, wo eines steht. Das Netz ist sehr dicht und die Räder funktionieren, auch das Licht. Wenn mal eines nicht funktioniert, kann ich es sofort zurückgeben und das nächste Rad ausleihen. Klar gibt es hier auch Bike-Sharing-Anbieter. Mir sind diese Räder allerdings schon in Frankfurt ein Greul, weil viele einfach nur „wild rum stehen“. bikeMi-Räder sind eine Initiative der Stadt Mailand und des Verkehrsbetreibers ATM und werden regelmäßig gewartet.

Die maximale Ausleihdauer beträgt 30 Minuten. Anfangs war mir das nicht bewusst und ich bin einfach mal so durch die Gegend gefahren, 35 und mehr Minuten. Für jede angefangene weitere halbe Stunde werden dann 50 Cent fällig. Ist jetzt nicht die Welt, dennoch blöd – hab ich doch eh schon ein Jahresabo abgeschlossen, Die Räder sind also nur dazu da, um von A nach B zu kommen.

Würde ich länger hier bleiben, hätte ich bestimmt meine Rad aus Frankfurt mitgebracht.

Trotz mancher Widerstände bin ich gern mit dem Rad unterwegs. Ich sehe was von der Stadt, bin schneller als zu Fuß, unabhängig von Abfahrtsplänen und bewege mich. 

Fotos: Giovanna Galleno

Werbung unbezahlt.

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