Radfahren in Mailand

In der Bildmitte fährt eine Frau auf einem gelben Fahrrad auf die Kamera zu. Im Hintergrund eine mit Graffiti verzierte Häuserwand. Radfahren in Mailand.
Radfahren in Mailand

Seit ich während meines längeren Mailand-Aufenthalts 2019 das Radfahren in Mailand für mich entdeckt habe, ist es mein bevorzugtes Verkehrsmittel. Egal, ob ich an die Peripherie fahre, um eine Ausstellung zu besuchen, einen neuen Stadtteil zu erkunden oder Richtung Innenstadt unterwegs bin.

Abenteuer Radfahren in Mailand

Ich bin nicht die Einzige, die hier mit dem Rad unterwegs ist. Fast scheint es, als hätten die Radler*innen die Stadt erobert. Fast – denn noch ist keine Motorino- und Vespa-Zeit, klären mich meine Mailänder Freunde auf. Diejenigen, die ihre Vespa nicht ganzjährige angemeldet haben, sind jetzt noch nicht unterwegs. Dennoch finde ich, dass erfreulich viele mit dem Rad unterwegs sind. Das war vor 20, 30 Jahren noch ganz anders.

An diesem Dienstagmorgen bin ich auf „meiner Rennstrecke” dem Corso Buenos Aires Richtung Innenstadt zu einer Ausstellung unterwegs. Die Strecke ist zwar nicht besonders schön, dafür gibt sie mir ein Gefühl des Dazugehörens, vor allem zur Rush Hour. Als Radlerin fühle mich weniger als Touristin zumal ich mit einem bikeMi unterwegs bin, das sich für mich und meine Bedürfnisse bewährt hat und das vor allem von den Einheimischen benutzt wird. Ich reihe mich ein in die Kolonne der Räder, die sich Richtung San Babila bewegt. Es ist bereits frühlingshaft warm. Über den Häusern liegt noch ein leichter Dunst, durch den die Sonnenstrahlen durchbrechen. Die Stadt erwacht.

Ich radle nicht so schnell wie die Mailänder*innen, schließlich muss ich auch schauen: Ich beobachte das geschäftige Treiben auf den Bürgersteigen, lass den Blick die Häuserfassaden hochwandern und nehme die eine oder andere Schaufensterdekoration wahr. Erstaunlich viele Mailänder*innen haben einen Knopf im Ohr, um zu telefonieren. An der Ampel gibt ein Motorino-Fahrer im Stand mehrmals Gas, ein Bus überquert die Kreuzung, in der Ferne scheppert eine alte Tram

Radfahren in Mailand: Links im Bild ein dunkles Auto. Davor und daneben stehen einige Radfahrerinnen und Radfaherer an einer roten Ampel. Im hinteren Bildteil Häuserfronten und ein strahlend-blauer Himmel.
Abendliche Fahrrad-Rush-Hour auf dem Corso Buones Aires in Mailand

Mailand ist prädestiniert zum Radeln

Mailand ist flach, also zum Radeln prädestiniert. Dennoch: Radwege gibt es kaum, und eine offizielle Erlaubnis gegen die Einbahnstraße zu fahren ebenso wenig. Ab und an muss auf den Gehweg ausgewichen werden. Es regt sich aber auch keiner auf, wenn es getan wird. „Devi fare il furbo“, sagt ein italienischer Freund, als ich ihm von meinen Raderlebnissen berichte und zieht dabei ein Unterlid nach unten. Die italienische Geste für „sich schlau anstellen“, „pfiffig sein“. Für ihn als eingefleischten Vespa-Fahrer käme Radfahren nie in Frage.

Abseits der breiten Straßen bedeutet Fahrrad fahren in Mailand, sich an parkenden Autos vorbeizuschlängeln, immer darauf achtend in keine Tramschiene zu geraten. Davon gibt es hier zuhauf. Ich schlage sehr steile Winkel beim Überqueren der Tramschienen ein. Ich werde durchgerüttelt von den Pflastersteinen und fahre schon mal gegen die Einbahnstraße.

Unterwegs mit BikeMi

Unterwegs bin ich mit einem der Räder von bikeMi. Da weiß ich mittels App, wo eines steht. Das Netz ist sehr dicht und die Räder funktionieren. Wenn mal eines nicht funktioniert, kann ich es sofort zurückgeben und das nächste Rad ausleihen. bikeMi-Räder sind eine Initiative der Stadt Mailand und des Verkehrsbetreibers ATM und werden regelmäßig gewartet.

Die maximale Ausleihdauer beträgt 30 Minuten. Anfangs war mir das nicht bewusst und ich bin einfach mal so durch die Gegend gefahren, 35 und mehr Minuten. Für jede angefangene weitere halbe Stunde werden dann 50 Cent fällig. Die Räder sind also nur dazu da, um von A nach B zu kommen und nicht, um Radtouren zu machen. 30 Minuten sind schnell vorbei, zumal, wenn du eine dir unbekannte Strecke fährst.

Im Bildhintergrund der Anschnitt eines rot-braunen Kirdchengebäudes. Im Vordergrund steht eine Frau und hält ein Fahrrad. Neben ihr stehen weitere Fahrräder.

Mittlerweile liebe ich das Radeln in Mailand. Ich mag das unmittelbare: Ich bestimme selbst das Tempo, bin unabhängig von Fahrplänen, sehe etwas von der Stadt, fühle mich dazugehörig und hab durchs Radeln meinen Radius vergrößert.
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Fotos von mir: Giovanna Galleno

Für die Erwähnung von bikeMi wurde ich nicht bezahlt. Dies ist die aktualisierte Version des Beitrags vom März 2019.

Reader Interactions

Comments

  1. Susanne Kleiner says

    Dieser Blogartikel macht richtig Lust auf mehr. Bevor ich den Artikel gelesen habe, hätte ich Mailand nie mit “Radeln in der City” in Verbindung gebracht. Ich plane auch bald einen Abstecher dorthin und schaue mal, ob ich das BikeMi ausprobiere.

    • Ulrike says

      Liebe Susanne,
      Mailand wird häufig in vielerlei Hinsicht unterschätzt. 😉 Ein bisschen starke Nerven brauchst du evtl. schon. Das Verkehrsaufkommen ist nicht ohne, aber es läuft … Bin gespannt, wie dir das Radeln dort gefällt. Es empfiehlt sich das Abo schon im Vorfeld über deren Website abzuschließen.
      Wenn du Tipps für Mailand benötigst lass es mich wissen – du findest auch hier ganz viele, zumindest was Sightseeing angeht.

  2. Tom says

    Wie schön! Ich habe von 2001 bis 2003 in Mailand studiert und in der Nähe des Corso Buenos Aires gewohnt. Damals – vor 20 Jahren – ist niemand in Mailand Rad gefahren! Tolle Entwicklung

    • Ulrike says

      Hallo Tom,
      ich war von 1989 bis 1990 dort und damals ist auch kaum jemand mit dem Rad unterwegs gewesen. Ich hab’s einmal gemacht, aber schnell wieder sein gelassen.

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