NPO Blogparade: Anmerkungen zum Online-Fundraising

In der aktuellen NPO-Blogparade hat Christian Henner-Fehr auf seinem Kulturmanagement Blog die Frage aufgeworfen

Was können oder müssen wir als NPO tun, um das Online-Fundraising bei uns voranzutreiben?“

Meiner Meinung nach muss als erster Schritt das Thema Web 2.0 und Social Networks noch stärker ins Bewusstsein sowohl der Fundraiser als auch der „potentiellen Geldgeber“ gerückt werden und eine Akzeptanz über deren Möglichkeiten erreicht werden. Und da bedarf es offline noch vieler Gespräche und teils Überzeugungsarbeit.

In Gesprächen mit Fundraisern oder Leuten, die sich intensiv dafür einsetzen, Gelder und Spenden für Projekte und Institutionen einzuwerben hat sich für mich heraus kristallisiert, dass sie sich selbst kaum mit den neuen Medien und den neuen Kommunikationsmöglichkeiten auseinandergesetzt haben, ihnen teilweise sogar sehr ablehnend gegenüberstehen. Schaut man sich die Interviews an, die Karin Janner auf ihrem Blog Kulturmarketing geführt hat, wird einem schnell klar, dass diesbezüglich – mit wenigen Ausnahmen – großer Nachholbedarf besteht.

Meiner Meinung nach hat es Online-Fundraising aus zwei Gründen schwer

1. Fehlendes Wissen um die Möglichkeiten von Web 2.0 und Social Networks

Die Fundraiser sind selbst noch nicht mit den Möglichkeiten, die ihnen Web 2.0 und Social Networks vertraut. Ergo setzen sie es auch nicht fürs Online-Fundraising ein. Gleichzeitig ist ihre Zielgruppe dort ebenso wenig zuhause. Das Internet nutzen sie lediglich, um zu recherchieren.

2. Persönliche Beziehung sind eine Grundvoraussetzung

Bei der Summe welche die Fundraiser einwerben, setzen die mir bekannten bevorzugt auf persönliche Gespräche und persönliche Beziehungen. Man kennt sich, man trifft sich bei diversen Veranstaltungen und Abendessen, wird zu sozialen Zirkeln eingeladen, um sein Projekt vorzustellen, spricht in entspannter Atmosphäre über Projekte und Engagements, oder kennt jemanden, der als Türöffner fungiert. Es herrscht ein sehr persönliches Netzwerk, das gepflegt wird.

Der persönliche Kontakt und die Mund-zu-Mund-Propaganda sind ein nicht zu unterschätzender Aspekt zum Einwerben von Spenden. Welcher Institution spende ich? Na der, deren Veranstaltungen mir am besten gefallen und dessen Team mich auch am meisten begeistert. Nimmt mich eine Institution als „Spender“ ernst und schätzt meine Unterstützung werde ich dies sicherlich weiterhin tun.

Meine Schlussfolgerung

Da das Spenden äußerst emotional motiviert ist und weil „Menschen Geld für Menschen geben und nicht für Dinge“ muss Online-Fundraising „offline“ beginnen. Nur wenn in der realen Welt eine Beziehung aufgebaut wurde, kann diese Beziehung auch in Online-Netzwerken gepflegt werden und ein Austausch stattfinden. Erst wenn Online-Marketing in der „Breite“ der Bevölkerung angekommen ist, hat Online-Fundraising eine reale Chance. Das heißt, es muss per se noch viel „Überzeugungsarbeit“ geleistet werden. Die NPOs müssen zunächst  mittels ihrer Web 2.0-Aktivitäten von sich Reden machen, ehe überhaupt an Online-Fundraising zu denken ist.

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Comments

  1. Da stelle ich doch mal die Frage, ob eine Spendenhaltung überhaupt einem solchen Anliegen dient? Kultur muß auch finanziert werden. Wenn Menschen Geld für Menschen geben hat das was mit einer Hilfeleistung zu tuen, die tatsächlich eher emotional motiviert ist. In diesem Sinne stand ich schon immer dem Fundraising eher kritisch gegenüber. Ist es nicht eher so, daß Geldgeber einen Gewinn darin sehen sollten, ihr Geld in dieses Ding zu stecken? Ist es nicht vielmehr legitim, eine Begehrlichkeit bedienen zu können? Muß ein kulturelles Projekt nicht auch (der Welt gegenüber) auch Sinn machen. Mensch, Umwelt, Gesellschaft weiterbringen? Kultur baut doch an einer gemeinsamen Welt. Sie muß doch irgendwie Ausdruck von allgemeinem Verantwortungsgefühl sein. Sie muß ein menschliches Miteinander anzielen. Sie muß einen Beitrag leisten, die Welt verändern zu können. Dafür müssen sich das richtige Kulturprojekt mit dem richtigen Geldgeber treffen. „Spendenaquisition“ ist das nicht, was ich meine. Es geht um Allianzen, wo zwei sich ergänzen, sich gegenseitig unter die Arme greifen, ein gemeinsames Ziel verfolgen. Im Grunde ist das ein Kultur und Kunstbegriff, der über eine Ausstellung hinaus geht. Obama bewegt im Moment offensichtlich die Menschen. Das ist die Konkurrenz, der ein Kunstprojekt ausgesetzt ist!

  2. „Die NPOs müssen zunächst mittels ihrer Web 2.0-Aktivitäten von sich Reden machen, ehe überhaupt an Online-Fundraising zu denken ist.“

    Das ist der Kern des Ganzen, denke ich. Es sind einfach noch zuwenige kulturinteressierte Menschen auch genügend im Netz unterwegs (ausser einfacher Recherche). Und das Spenden per PayPal button, wie bei shareware developern, wäre im Kulturbereich doch viel zu unpersönlich.

    Ergebnis: Kontakte offline herstellen, fundraising offline starten, und die Kontakte mit allen Mitteln – auch online – aktiv pflegen. Oder?

  3. @burkhard: es ist ja schon aufschlussreich, dass Fundraising in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich gebraucht wird. Während wir darunter in der Regel das Einsammeln von Spenden verstehen, bedeutet es im angelsächsischen Raum ganz einfach Geld einsammeln.

    Und Du hast Recht, ich wehre mich auch immer dagegen, dass der Kunst- und Kulturbereich von Spenden spricht. Wir haben es hier mit einer Leistung zu tun, die finanziert gehört und nicht so sehr auf Spenden angewiesen sein sollte.

    Daher finde ich auch die Crowdfunding-Ansätze so spannend, bei denen das unternehmerische Element im Vordergrund steht. Sellaband ist so ein Beispiel. KünstlerInnen sammeln bei ihren Fans insgesamt 50.000 USD ein und produzieren dann eine CD, an deren Einnahmen die Fans anteilig beteiligt werden. Da geht es nicht um großartige Gewinne, sondern meist um den Spaß am Dabeisein.

    @Alexander und Ulrike: wenn Ihr in Sachen Fundraising mit den Offline-Aktivitäten startet, dann nehmt Ihr dem Web2.0 ja sein stärkstes Instrument, die schnelle Verbreitung von Infos und den raschen Aufbau neuer Kontakte. Ich sehe es eher andersherum: Online-Kontakte knüpfen und Kleinspenden gleich online einwerben, dann die Offline-Ebene miteinbeziehen und dort die Kontakte intensivieren, um höhere Beträge einwerben zu können.

  4. @Burkhard und Christian Beim Schreiben meines Beitrags hatte ich mehrere Beispiele im Kopf, wobei sich nur eines auf Kultur bezog und die anderen im sozialen-gesellschaftlichen Bereich angesiedelt sind. Ich stimme Euch zu, dass Kultur gefördert gehört (soziale Projekte allerdings genauso) – wir wissen aber auch alle, dass die Realität anders aussieht und gerade kleinere Institutionen auf Spenden angewiesen sind.

    @Christian Deine Frage war, wie man Online-Fundraising voran bringen kann. Das war mein Ausgangspunkt und ich finde, dass bezüglich Web 2.0 einfach noch viel „Aufklärungsarbeit“ – so erlebe ich das in meinem Umfeld – geleistet werden muss. Ich kann ja nicht mit einer Online-Aktion Leute gewinnen wollen, die mit dem Thema noch überhaupt nicht vertraut sind. Online-Fundraising kann dann erst der zweite Schritt sein.

  5. Ulrike, entschuldige bitte meine Direktheit, aber was du in diesem Beitrag über Spendensammlung a la Web 2.0 ausbreitest ist nichts weiter als „alter Wein in neuen Schläuchen“. Hast du dich tatsächlich schon einmal mit den Wirkprinzipien von Web 2.0 auseinandergesetzt? Es scheint mir nicht so…. Hierbei geht es ganz sicher nicht um das alte bricks-and-mortar Prinzip, das seit der ersten Stunde des Netzes jedem geläufig ist: etabliere Beziehungen offline und baue sie online weiter aus, gähn. Klar: Gerade Beziehungen im Spendengeschäft werden zwischen Menschen geschlossen, da sie auf Vertrauen basieren und dies speziell im Fundraising wichtig ist. Doch Web 2.0 kann vielmehr, als bloß ein „Abklatsch“ von Xing & Co. zu sein und Menschen einfach nur zu verlinken. Vielmehr steht Web 2.0 für Mechanismen, die Sichtweisen und Ideen eines etablierten Netzwerkes fester Beziehungen mit neuen Sichtweisen anderer Netzwerke verbinden und vermixen (sog. meshup), der eigentliche Asset sind also die losen Kopplungen die daraus entstehen. Es geht also vielmehr um Ideen und Kollektivintelligenz als um die einfache Vernetzung – das hatten wir doch alles schon. Also, bitte nicht gleich ganz so hoch stapeln, denn nicht überall wo 2.0 draufsteht ist auch gleich 2.0 drin, wie dieser Beitrag wieder eindrucksvoll beweist.

  6. @Karl: „die Ideen eines Netzwerks fester Beziehungen“? Soziale Netzwerke, und ich gehe davon aus, dass Du davon sprichst, zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass sie keine festen Beziehungen aufweisen. Im Unterschied zu sozialen Systemen. Aber das ist nun nicht unbedingt neu und hat rein gar nichts mit dem Web2.0 zu tun.

    Die „losen Kopplungen“, von denen Du sprichst, ich verwende ganz gerne den Begriff der „Beziehungsoptionen“, sind auch im Web2.0 das Um und Auf. Auch da hat sich nichts geändert. Und zu behaupten, dass es im Unterschied zu früher nun um „Ideen und Kollektivintelligenz“ gehe, ist in meinen Augen starker Tobak. Selbst die Neandertaler konnten nur dadurch überleben.

    Der große Unterschied besteht doch darin, dass das Ziehen einer solchen Beziehungsoption dank der digital geknüpften Netzwerke schneller und über beliebig große Distanzen möglich ist. Die Herausforderung für das Fundraising besteht nun darin, aus der digitalen Welt heraus Aktivitäten zu stimulieren, die dazu führen, dass z.B. Beth Kanter an ihrem Geburtstag via Twitter ein paar tausend Dollar für, ich glaube, die Wassergewinnung in kambodschanischen Schulen einsammelt.

    Ich denke, wir sind hier an einem Punkt angekommen, wo immer häufiger unter dem Deckmantel Web2.0 Luftschlösser gebaut werden sollen. Das als Hochstapelei zu bezeichnen ist schon korrekt, allerdings musst Du damit rechnen, dass man Dir genau das in diesem Fall auch vorwirft.

    Auf der anderen Seite: wenn Du behauptest, dass die losen Kupplungen das eigentliche Asset des Web2.0 seien, dann unterschätzt Du das Web2.0. Etwas mehr Potenzial steckt schon drinnen…

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