Meine liebsten Kunstorte in Mailand

Jeff Koons; Tulps, in der Fondazione Prada
Jeff Koons: Tulps, in der Fondazione Prada

Im April jeden Jahres blicke ich immer etwas sehnsüchtig nach Mailand. Die Stadt pulsiert. Kunst und Design sind omnipräsent. Erst die Milano Art Week, in deren Mittelpunkt die Kunstmesse MiArt mit moderner und zeitgenössischer Kunst steht. Direkt im Anschluss folgt die Milano Design Week mit dem Salone del Mobile und dem Fuorisalone.

Den Fuorisalone verfolge ich besonders sehnsüchtig. Ich habe ihn einmal selbst erlebt und seitdem den Wunsch, wieder dorthin zurückzukehren. (→ Lies meinen Artikel zu Fuorisalone)

Als ich über diesen Artikel nachgedacht habe, bin ich meine Wege durch Mailand im Kopf abgegangen. Dabei fiel mir auf: Ein Ort ist immer dabei: der Palazzo Reale.

Ich nehme dich mit auf einen Spaziergang zu meinen liebsten Kunstorten in Mailand: vom Zentrum bis in den Norden der Stadt.

Palazzo Reale

Meine liebsten Kunstort in Mailand: Palazzo Reale
Einer meiner liebsten Kunstort in Mailand: Palazzo Reale

Äußerlich versprüht das Gebäude nicht gerade einen Wow-Effekt, obwohl der Grundstein im 13. Jahrhundert gelegt wurde. Im Inneren punktet der Palast dafür mit hervorragend kuratierten Ausstellungen. Sie gehören zu den meistbesuchten in Italien.

Der ehemalige königliche Palast liegt direkt am Dom. Zentraler geht’s kaum. Seit Anfang der 1950er Jahre wird die ehemalige Residenz als Ausstellungshaus genutzt. In den vergangenen Jahren ist das Haus zu einem wichtigen Kunstort geworden.

Für mich ist der Palazzo Reale der Ort in Mailand, an dem ich immer eine Ausstellung finde, die mich interessiert. Deshalb gehört er bei jedem meiner Mailand-Besuche dazu. Es laufen immer mindestens drei Ausstellungen parallel. Aktuell sind es Schauen zu den Künstlern Anselm Kiefer und Robert Mapplethorpe sowie die thematischen Ausstellungen Metafisica/Metafisiche und Macchiaioli.

Ich habe hier in den letzten Jahren viele Ausstellungen gesehen. Von der Dolce-Gabbana-Ausstellung 2024 über die Kunstausstellungen zu De Nittis (2023) oder Tizian (2022). (→ Lies meine Besprechung zur Dolce-Gabbana-Schau)

Ich habe hier noch nie eine Ausstellung verlassen, ohne dass sie bei mir nachgewirkt hat. Auch deshalb gehört der Palazzo Reale zu einem meiner liebsten Kunstorte in Mailand.

Wirf bei deinem Besuch unbedingt einen Blick in den Karyatiden-Saal. Er wurde bewusst nicht vollständig restauriert. Und genau das macht seinen Reiz aus. Aktuell findet in diesem Saal die Ausstellung „Anselm Kiefer. Le Alchemiste“ statt.

Infos: palazzorealemilano.it

Ich überquere den Domplatz, schlendere durch die Galeria Vittorio Emanuele und schon komme ich auf die Piazza della Scala, vorbei an einer besonderen Vedovella zum nächsten Kunstort: den Gallerie d‘Italia. (→ Lies meinen Artikel zu dieser besonderen Vedovella)

Gallerie d‘Italia

Meine liebsten Kunstorte in Mailand: Gallerie d‘Italia
Einer meiner liebsten Kunstorte in Mailand: Gallerie d’Italia

Die Gallerie d’Italia sind für mich ein klassisches Add-on: zentral gelegen, im Inneren architektonisch beeindruckend. Ob ich sie besuche, steht und fällt mit der aktuellen Ausstellung.

Die Ausstellungsräume verteilen sich auf drei ineinander übergehende Gebäude: den Palazzo Beltrami, den Palazzo Anguissola Antona Traversi und den Palazzo Brentani. Architektur und Atmosphäre? Beeindruckend. Im ehemaligen Sitz der Banca Commerciale (Palazzo Beltrami) ist die ehemalige Funktion noch sichtbar: viel Marmor, hohe Decken, alte Bankschalter. Vergangenheit trifft unmittelbar auf Kunst.

Bei meinem jüngsten Besuch 2025 habe ich mehrere Ausstellungen gesehen und kam begeistert wieder heraus. Gesehen habe ich Arbeiten von Robert Rauschenberg, Fotografien von Jess T. Dugan sowie Werke des 20. und 21. Jahrhunderts aus der Sammlung der Intesa Sanpaolo. (→ Auf Instagram habe ich meine Eindrücke von meinem Besuch 2025 geteilt)

Die permanente Sammlung mit Werken des 18. und 19. Jahrhunderts hat mich weniger interessiert.

Die Gallerie d‘Italia sind die vier Museen der Bank Intesa Sanpaolo mit Standorten in Vicenza, Neapel, Turin und Mailand. Sie befinden sich jeweils im Zentrum der Stadt und sind in repräsentativen Gebäuden aus dem 17. bis 19. Jahrhundert untergebracht.

Noch bis zum 3. Mai ist in Mailand die Fotoausstellung „La strada per Cortina. VII Giochi Olimpici Invernali 1956“ zu sehen.

Infos: gallerieditalia.com

Ich bleibe noch etwas im Zentrum und gehe zu Fuß weiter. Ich lasse die Scala links liegen. Der nächste Stopp liegt nur wenige Minuten entfernt und ist wohl das bekannteste Museum der Stadt: die Pinacoteca di Brera.

Pinacoteca di Brera

Meine liebsten Kunstort in Mailand: Blick in die Pinacoteca di Brera
Einer meiner liebsten Kunstorte in Mailand: Pinacoteca di Brera

Wenn ich Lust auf eine geballte Ladung italienischer Kunst quer durch mehrere Jahrhunderte habe, besuche ich die Pinacoteca di Brera. Sie zählt zu den bedeutendsten Kunstmuseen Italiens.Ich betrete den Innenhof und werde von einer großen Statue Napoleon Bonapartes empfangen. Diese Statue begegnet mir später im Inneren als Gipsabdruck dieser Bronzestatue wieder.

Der Grundstein für das Kunstmuseum wurde unter Kaiserin Maria Theresia im 18. Jahrhundert gelegt. Gegründet wurde die Pinacoteca di Brera 1809. Heute umfasst die Sammlung Werke vom 14. bis zum 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf italienischer Malerei.

Mich beeindruckt hier die Fülle an Werken: Gemälde, Statuen, Gipsabdrücke. Gleichzeitig „erschlägt“ mich diese Fülle aber auch.

Wenn du ein Gefühl für italienische Kunst bekommen möchtest: Geh hierhin.

Noch bis 3. Mai kannst du dir die Ausstellung „Giorgio Armani. Milano, per amore“ ansehen.

Infos: pinacotecabrera.org

Nun geht es weg vom Zentrum – zu zwei „Fondazioni“ (Stiftungen). Die eine ist die Fondazione Prada, die andere die Fondazione Pirelli HangarBicocca. Beides Orte, an denen ich sehr viel Zeit verbringe – einfach, weil beide Gelände zum Verweilen einladen.

Fondazione Prada

Fondazione Prada
Einer meiner liebsten Kunstorte in Mailand: Fondazione Prada

Die Fondazione Prada liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Gin-Brennerei. Hier trifft Industriearchitektur auf moderne Architektur.

Das Ehepaar Miuccia Prada und Patrizio Bertelli haben sie 1993 gegründet. Seit 2015 befindet sich die Fondazione auf dem ehemaligen Industriegelände.

Der Komplex besteht aus sieben historischen Fabrikbauten und drei ergänzenden Neubauten – Podium, Kino und Turm. Schon von Weitem sehe ich das Haunted House. Ehemalige Getreidespeicher, die vollständig vergoldet wurden. Die Räume im Inneren variieren stark in Größe und Wirkung. Ein Teil der Dauerausstellung ist dort untergebracht.

Bei meinem letzten Besuch – ein 24-Stunden-Trip von Frankfurt nach Mailand und zurück – habe ich die Sonderausstellung Recycling Beauty gesehen. Sie zeigte, wie aus antiken Skulpturenfragmenten neue Skulpturen entstehen. Die Ausstellung war auf zwei Gebäude verteilt und einfach umwerfend! (→ Meine Eindrücke zur Sonderausstellung und zur Kunst von Carsten Höller, Betye Saar, Walter De Maria und zum Gelände habe ich auf Instagram geteilt.)

Mich begeistern nicht nur die Ausstellungen, sondern das Gesamtbild der Fondazione Prada: alte und neue Bausubstanz, Architektur, Wege, Plätze, Bäume, die das Areal in Zonen gliedern sowie die Kunst selbst.

Und irgendwann sitze ich in der Bar Luce oder im Freien. Ich genieße die Sonne, einen Espresso und lasse die Ausstellungen Revue passieren.

Die Fondazione Prada ist ein Ort, den ich immer wieder gerne aufsuche.

Infos: fondazioneprada.org

Jetzt geht’s in den Norden der Stadt, zur Fondazione Pirelli HangarBicocca im Stadtteil Bicocca, unweit der gleichnamigen Universität. Ein Ort, der mich beim ersten Besuch völlig überrascht hat.

Fondazione Pirelli HangarBicocca

Kunstorte in Mailand: Pirelli HangarBicocca. Das Kunstwerk La Sequenza von Fausto Melotti
Einer meiner liebsten Kunstorte in Mailand: Fondazione Pirelli HangarBicocca

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal in der Fondazione Pirelli HangarBicocca. Ich komme mit dem Fahrrad an, laufe ein Stück und sehe schon von Weitem die Fabrikgebäude. Und dann steht sie plötzlich vor mir: „La Sequenza“ von Fausto Melotti (1901 bis 1986). Eine Eisenarbeit, schlank, hoch, majestätisch ragt sie in den Himmel, dazwischen bewegen sich im Wind die Gräser. Ich bleibe stehen, lass das Werk auf mich wirken. Gleich dahinter sehe ich auch schon das Ausstellungsgebäude Pirelli HangarBicocca.

Drinnen öffnen sich die Räume. Der Eingangsbereich modern gehalten. In den drei Ausstellungsräumen sind die ursprünglichen architektonischen Merkmale der Industrieanlage aus dem letzten Jahrhundert erhalten: Lo Shed (Schuppen), le Navate (Langhaus) und il Cubo (Würfel). In einem Teil des Langhauses befindet sich das permanente Werk von Anselm Kiefer, I Sette Palazzi Celesti, 2004 bis 2015. Dort sowie im Schuppen und im Cubo werden Wechselausstellungen gezeigt.

Ich bin damals wegen der Sonderausstellung von Maurizio Cattelan dorthin gekommen. Obwohl es nur drei Werke zu sehen gab, habe ich mich eine gefühlte Ewigkeit dort aufgehalten. Ich bin ein großer Cattelan-Fan. (→ Lies meinen Artikel über meinen ersten Besuch)

Als ich später im Innenhof sitze, merke ich, wie viel dieser Ort in mir angestoßen hat. Neue Gedanken, neue Bilder, neue Ideen, neue Inspirationen und eine neue Lektüre.

Die Fondazione Pirelli HangarBicocca wurde 2004 in Mailand als gemeinnützige Stiftung gegründet. Mit 15000 Quadratmetern verfügt sie über eine der größten Ausstellungsflächen in Europa. Einst wurden Lokomotiven gebaut, heute wird hier zeitgenössischer Kunst gezeigt.

Info: pirellihangarbicocca.org

Auch nach all den Jahren, die ich Mailand nun kenne, entdecke ich immer wieder Neues: Kunstorte gehören auch dazu. Zu manchen kehre ich immer wieder zurück.

Kennst du eines der Häuser? Oder hast du jetzt Lust bekommen, selbst einen zu besuchen? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Leser-Interaktionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert