Kulturblogger – Beziehungspflege, aber wie?

Social GraphDas Social Web stellt nicht nur die Beziehung zwischen Kultureinrichtung und Dialogpartnern auf eine neue Grundlage, sondern auch die zu Journalisten. Denn Social Media wirkt sich auf den Arbeitsalltag der Redakteure aus. Nicht nur Medien an sich sind bei Twitter und zunehmend auch bei Facebook, sondern auch immer mehr Redakteure sind bei Twitter und recherchieren dort ganz gezielt nach Informationen und beobachten die Blogs der Kultureinrichtungen. (Eine Übersicht twitternder Redakteure gibt’s bei Tweetranking oder auch bei Talkabout)

Noch beziehen Kultureinrichtungen Journalisten und Blogger selten in ihre Medienarbeit im Social Web ein. Gründe hierfür sind sicherlich,  dass einerseits klassische Medienarbeit nach wie vor eine übergeordnete Rolle einnimmt. Andrerseits treten auch nur wenige Redakteure des Feuilletons öffentlich bei Twitter oder Facebook in Erscheinung und kommunizieren mit den Dialogpartnern. Dass Kulturblogger eine untergeordnete Rolle spielen, liegt darin begründet, dass sie einfach nicht den Einfluss, das Renommee und die Reichweite haben, wie es Blogger anderer Bereiche, wie etwa der Mode, haben.

Dennoch finde ich, dass gerade kleinere Kultureinrichtungen durch diese Beziehungspflege im Social Web ins öffentliche Bewusstsein gelangen können. Natürlich ist diese Form der Beziehungspflege kein Ersatz zu klassischer Medienarbeit, sondern nur eine Ergänzung derselben.

Wie kann diese Beziehungspflege aussehen?

Mittels Social Media haben PR-Verantwortliche nun die Möglichkeit mit Journalisten auf „ungezwungene Art und Weise“ ins Gespräch zu kommen und sie schnell und unmittelbar auf dem Laufenden zu halten, ihnen zuzuhören und sie auf Themen zu stoßen. Das können Kultureinrichtungen auch dadurch, indem sie sich bei Gedenktagen mit Videos und Fotos zu Personen und Ereignissen einbringen und so am tagesaktuellen Geschehen partizipieren.

Bei all den Journalisten sollte man allerdings auch Blogger als Multiplikatoren und Meinungsmacher nicht außer Acht lassen, auch wenn die deutsche Kultur-Blogosphäre sehr unübersichtlich und nicht sehr professionalisiert ist. Was ich damit meine ist, dass sie, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen,  schreiben, wann sie gerade Zeit und Lust dazu haben. D. h. man kann sie nur bedingt dazu bewegen einen Beitrag zu einem bestimmten Zeitpunkt zu veröffentlichen. Und nicht vergessen – Blogs sind sehr subjektiv und spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors/der Autorin wider.

Robert Basic hat in einem Blogbeitrag sehr ausführlich beschrieben, was beim Umgang mit Bloggern zu beachten sei. Im Kulturbereich kann man das sicherlich etwas entspannter sehen, zumal es hier nicht wirklich darum geht, Produkte zu testen – das könnte ich mir am ehesten noch bei der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker – vorstellen. Ansonsten geht es bei den Kultureinrichtungen doch mehr um Veranstaltungshinweise oder Besprechungen.

Beispiele wie (Kultur-)Blogger-Relation abseits der Ankündigungen aussehen können zeigen folgende Beispiele: Etwa die KAtalks der Kronberg Academy, bei denen u. a. Blogger die Möglichkeit hatten, Musiker über Twitter zu interviewen und über ihre Erfahrung zu schreiben. Oder auch indem unter dem Stichwort Twitter-Freundschaften Birgit Schmidt-Hurtienne in einem Interview erklärte, was unter Notenkorrektorat zu verstehen ist. Das heißt in beiden Fällen wurde aktiv auf die Blogger zugegangen, um sie ins Boot zu holen. Das Museum für Kommunikation Berlin ist die Sache eher passiv angegangen, indem es über die Website Blogger aufgerufen hat, mit ihm gemeinsam über die Geschichte der Kommunikation – im Museum versteht sich – zu diskutieren. Die ersten beiden Beispiele setzen voraus, dass man bereits entsprechende Blogger bereits kennt. Ein Blick in diverse Blogrolls kann da durchaus sinnvoll sein.

Und damit sind wir auch schon bei der Ansprache derjenigen, zu denen man noch keine Beziehung aufgebaut hat. Eine nette, persönliche, Ansprache über Twitter oder Email, die auch zeigt, dass das Blog schon gelesen wurde halte ich für angebracht. Wenn er oder sie Infos bereits zu einem Zeitpunkt erhält, bevor sie breit gestreut wird ist es umso besser, denn die Blogger fühlen sich geschmeichelt. Bei mir waren so ein Fall etwa die Ludwigsburger Schlossfestspiele, die mich eigentlich nur um einen Linktausch baten, ich aber das Gefühl hatte, dass die Absenderin der Mail meine Blogthemen kennt. Am Ende ist dann ein Blogbeitrag entstanden wo sie als Positiv-Beispiel für File-Sharing-Plattformen vorkamen.

Im Gegenzug sollte eine Kultureinrichtung für eine Veröffentlichung durchaus auch etwas zurückgeben, etwa einen (Re-)Tweet oder einen Link auf den Blogbeitrag als Zeichen der Wertschätzung.

Der nächste Schritt wäre dann sicherlich auch Blogger ganz gezielt einzuladen, sei es zu Pressekonferenzen oder Themenrunden.

In dem Zusammenhang sind bereits folgende Artikel erschienen:

Wie Social Media die Kultur-PR verändern
Wie wirkt sich Social Web auf die Kultur-PR aus?

Reader Interactions

Comments

  1. T.Paul von artinfo24.com says

    Ich muß/will Christian Recht geben. Wir als Kunstmagazin od. Blog, soll jeder selbst entscheiden, sind von beiden Problematiken gleichzeitig betroffen. Zum einen sieht die Pressearbeit vieler Einrichtungen, egal ob Galerie – Museum o.ä., alles standatisert aus. Da werden Pressemeldungen an möglichst große Verteiler gesendet, mit der Hoffnung das vielleicht berichtet wird. Individualisierung oder spannende + interessante Aufmachung sucht man vergebens. Schaut man sich dann die Aktivitäten dieser Einrichtungen im Netz an, insofern vorhanden, sehen diese zu 80% genau so aus.

    Was Journalisten bzw. dessen Arbeitgeber angeht, habe ich oftmals das Gefühl, das diverse Facebook- und Twitterseiten durchaus als Rechercheinstrument genutzt werden, aber kaum publiziert und kommuniziert werden. Man hat oft das Gefühl – nur nicht vernetzen. Es werden kaum Fremdartikel, Meldungen oder Quellen verlinkt oder besprochen.

    Der Sinn einer Beziehungspflege sieht anders aus – oder?

  2. Ulrike Schmid says

    @Hagen Es gibt noch mehr gute Beipiele. V. a. von einzelnen Journalisten, die in Erscheinug treten und mehr machen als nur auf Artikel zu verlinken. Die sind halt nur nicht im Kulturbereich zu finden. Dennoch denke ich, dass Kulturredakteure zunehmend die Szene beobachten. Das kriegen wir nur nicht mit.

  3. Hagen Kohn says

    Naja, die Redaktion von Welt Online twittert ja ganz ordentlich, aber ich glaube, das ist eher die Ausnahme.

    Neulich sagte mir ein bekannter Tagesspiegel Redakteur, er verstehe sich als Journalist für die gedruckte Zeitung und man solle dieses Social-Web-Dings nicht überbewerten 🙂

    @Ulrike: Ich teile deine Meinung, dass die klassische PR für die Kultureinrichtungen noch ganz gut funktioniert. An den halbherzig gepflegten Facebook-Profilen vieler Einrichtungen sieht man auch, dass das Thema Social Web (noch) nicht wirklich gewollt ist. Ich sehe das auch nicht so dramatisch, da läuft halt vieles noch nach altem Muster.

  4. Ulrike Schmid says

    Ich stimme dir nur teilweise zu.

    Ich saß kürzlich mit einem Journalisten auf einem Podium, der durchaus die Twitter- sowie Facebook-Aktivitäten und sogar die Blogs der Museen verfolgt und die Szene kennt. Er tritt nur nicht in Erscheinung und kommuniziert nicht als Person, wie wir das von Nicht-Feuilleton-Journalisten kennen.

    Wenn wir hier von PR sprechen, muss man präzisieren, dass wir eigentlich nur von der klassischen Medienarbeit sprechen. PR ist ja noch ein bisschen mehr als das.
    Auch ich halte an Presseaussendungen fest und finde sie legitim. Man darf Medienarbeit und PR natürlich nur nicht darauf reduzieren. Nichstdestotrotz pflege ich mittlerweile Kontakt zu Journalisten, Bloggern und potentiellen Frürsprechern für meine Kunden über Social Media und halte auch sonst Augen und Ohren offen. Thomas Pleils Clutrain-PR sehe ich gerade in der Beziehungspflege zu den Influencern, Fürsprechern, Dialogpartnern – wie auch immer du die Menschen im Social Web nennen magst.

    Dass Kultureinrichtung noch nicht auf Cluetrain-PR setzen liegt immer noch daran, wie oben gesagt, dass die herkömmlichen Medien für sie einfach noch viel zu wichtig sind und ihnen die nötige öffentliche Aufmerksamkeit bringen.

  5. Christian Henner-Fehr says

    Wie Du richtig anmerkst, die Kulturjournalisten sind auf Twitter bzw. Facebook nicht anzutreffen und erklären auf diversen Podien, dass das nichts für sie sei. Eine eher traurige Geschichte, die aber auf die Kultureinrichtungen abzufärben scheint. Thomas Pleil hat schon vor Jahren sein Modell entwickelt, das den Weg von der digitalisierten PR zur Cluetrain-PR beschreibt. Am Kunst- und Kulturbereich scheint das spurlos vorüber gegangen zu sein, die Presseaussendungen sehen noch aus wie früher, mal abgesehen davon, dass man seinen Verteiler halt um zwei oder drei Adressen erweitert hat.

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