Italien und das Plastik

Mülltrennung wird hier  sehr ernst genommen. Ehrlich! Bei mir im Hof steht sogar eine Mülltonne für Glasflaschen (farbliche Sortierung wird überbewertet). Wenn dann um Mitternacht Glas eingeworfen wird, ist das besonders lustig. 

Das  heißt allerdings nicht, dass Italiener*innen ein Gespür dafür hätten erst gar keinen Plastikmüll zu produzieren Ganz im Gegenteil: Ich bin ehrlich gesagt erschrocken, wie viel Plastik hier benutzt wird.  

Das Mittagsgericht auf der Berghüte, das Wasser zum Espresso oder der Geburtstagssekt …. alles schön auf Plastiktellern oder in Plastikbechern.  

Als ich kürzlich in einer Bar auf einen „aperitivo“ war, gab es nur Plastikteller und Plastikgabeln fürs Essen. Ich dachte, ich trau meinen Augen nicht, als ich diesen Riesenberg mit Plastiktellern sah. Wenigstens mein Getränk bekam ich im Glas serviert. 

Auch im Supermarkt finde ich es erschreckend, wie viel Gemüse und Obst es abgepackt zu kaufen gibt. Dass es anti-alkoholische Getränke nur in Dosen und Kunststoffflaschen zu kaufen gibt, davon sprechen wir erst gar nicht. 

Für das (wenige) lose Gemüse gibt es kompostierbare Kunststofftüten. Für diese musste ich einen Cent (!) bezahlen. Dieser eine Cent wird übrigens auch fällig, wenn man das Preisschild nur auf die Zwiebel klebt. 🙂 

Ja, ich weiß, in Italien wurde schon immer mehr Plastik benutzt als bei uns – denken wir an die ganzen Wasserflaschen. Ich hätte nur nicht gedacht, dass es immer mehr wird, anstelle weniger. Zumal das Plastikmüllproblem in aller Munde ist.

Es gibt allerdings auch Gegenbeispiele. An Apuliens Stränden etwa wird schon ab diesem Sommer Einwegplastik untersagt. Kein Besteck, kein Geschirr, keine Becher oder Tüten aus Einwegplastik. Einzige Ausnahme sind Wasserflaschen, da hierfür noch keine Alternative gefunden wurde. Damit ist Apulien die erste italienische Region, die solche eine Regelung erlässt. 

Reader Interactions

Comments

  1. Deutschland ist ja auch nicht gerade Vorreiter in Plastikvermeidung – LEIDER
    Es wäre mal spannend rauszubekommen, ob der Pro Kopf Verbrauch an Plastik in Italien wirklich höher ist als in Deutschland, denn selbst hier trinken die meisten Leute ja lieber in Plastikflaschen abgefülltes Trinkwasser als das aus dem Hahn. Und die EU mit ihrem Verbot an Plastiktrinkhalmen und Wattestäbchen geht das Problem auch nicht wirklich an.

    • Schon klar, dass wir auch keine Vorreiter sind. Dennoch gibt’s bei uns im Supermarkt mehr Möglichkeiten Unverpacktes oder Produkte im Mehrwegglas zu kaufen.

      Laut statista unterscheiden sich deutscher und italienischer Pro-Kopf-Verbrauch gar nicht mal so sehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.