Ein Tag voller Farben und Aromen

Ein Besuch des Marktes Porta Palazzo im Herzen Turins

Ein Tag voller Farben und Aromen. Ein Besuch des Marktes Porta Palazzo im Herzen Turins
Ein Tag voller Farben und Aromen. Ein Besuch des Marktes Porta Palazzo im Herzen Turins

Von meinem Hotel sind es etwa 50 Minuten zu Fuß bis zum „Mercato di Porta Palazzo“ im Herzen Turins. Er soll der größte Markt Europas sein. Egal welcher Lebensmittelmarkt – ich liebe die morgendliche Stimmung: das Aufbauen der Stände, das Bereitlegen der Ware, das Licht, die noch junge Tagesluft, die Ruhe, das In-den-Tag-starten.

Und so mache ich mich auch in Turin früh auf den Weg. Der Wecker zeigt 6:00 Uhr. Etwas später laufe ich auch schon durch die noch halbdunklen Straßen. Das Licht diffus. Straßenlaternen beleuchten den Weg. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Die portici, die Bogengänge, werden gesäubert. Eine Kioskbesitzerin rückt die Zeitungen zurecht. Die ersten Bars öffnen ihre Türen. Der Duft von caffè und cornetti umschmeichelt meine Nase.

Das letzte Stück meines Fußwegs laufe ich die via Milano entlang. Neben mir rattert die Tram 4 vorbei. Sie teilt nicht nur die beiden Märkte, sondern auch die Stadt in zwei Teile.

Angekommen am Porta PalazzoEin Tag voller Farben und Aromen. Ein Besuch des Marktes Porta Palazzo im Herzen Turins

Ich komme an der Piazza della Republica an, so der Name des Marktplatzes. Der Name des Marktes ist ein Überbleibsel vom Stadttor „Porta Palazzo“, das an dieser Stelle im 18. Jahrhundert erbaut wurde – als monumentaler Eingang zur Stadt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es abgerissen. Geblieben sind rechts und links prächtige Paläste. Ihnen zu Füßen viel freie Fläche für den Lebensmittelmarkt auf der einen sowie dem Haushaltswaren- und Bekleidungsmarkt auf der anderen Seite. Hinter den Häusern lugt die Sonne hervor. Auf der einen Seite geschäftiges Treiben, während die andere noch schläft.

Farben und Aromen: Vorbei an den Ständen

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In geordneten Reihen stehen Stände aus Holz. Darüber überwiegend rote Stoffdächer in Zeltform. Auf den Holztischen werden Gemüse und Obst zu geometrischen Pyramiden aufgeschichtet. Sie erfüllen die Luft mit ihren Aromen und die Augen mit ihren Farben: Das Rot der Tomaten und Paprika. Der Duft von Minze und Basilikum. Gelb leuchten Zitronen und Bananen, lila Aubergine und Bohnen. Orange glänzen Aprikosen und Pfirsiche. Von Hand geschriebene Schilder geben die Preise an.

Ich schlendere durch die Reihen, nehme Gesprächsfetzen auf, beobachte die Marktleute beim Einräumen ihrer Waren: Obst, Gemüse, Gewürze aber auch Käse, Nüsse und Pasta. Nebenbei wird telefoniert, Videos geschaut, Radio gehört. Es werden ein paar freundliche Worte über die Stände hinweg gewechselt. Man kennt sich, man unterhält sich. Angestellte der umliegenden Bars bringen den Marktleuten einen caffè vorbei. Ein kurzer Schnack und weiter geht’s mit den Vorbereitungen. Einer sortiert die Paprika nach gut und schlecht. Ein anderer putzt die Artischocken. Der drittel türmt eine Melonenpyramide auf. Hier ist das Marktgeschäft fest in (nordafrikanischer) Männerhand. Hinter den Ständen stapeln sich leeren Holzkisten. Allmählich beginnt der Verkauf.

Auch auf der anderen Straßenseite kommt allmählich Bewegung ins Spiel. Die kleinen Wagen werden entpackt. Zum Vorschein kommen Geschirr, Schuhe, Ballkleider, Taschen, Handücher, kleinere Elektroartikel.

Abstecher zu Fisch, Fleisch und Bauernmarkt

Ich habe fürs Erste genug gesehen. Ich mache noch einen Abstecher in die Markthallen mit Fisch und Fleisch und in den hinteren Teil des Platzes – auf den Bauernmarkt. Eine Halle, konstruiert aus Eisen. Morbider Charme. Klein, dafür mit Produkten aus dem Turiner Umland, das die Landwirtinnen und Landwirte selbst feilbieten. Hier wird noch piemontesisch gesprochen.

Gegenüber des Platzes befindet sich der „Mercato Centrale“. In dem modernen Bau gibt es überwiegend ein gastronomisches Angebot. Morgens um acht ist noch nicht viel los. Ich entscheide mich, in einer Bar zu frühstücken.

Aufräumen und Aufbauen

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Infos

Mercato di Porta Palazzo
Piazza della Repubblica
Geöffnet Montag bis Freitag von 7 bis 14 Uhr,
samstags von 7 bis 19 Uhr

Als ich am Nachmittag noch einmal vorbeikomme, ist das Verkaufsgeschäft gemacht. Ein Meer von Müll: herumfliegendes Plastik, halb kaputte Pappkartons, Gemüse- und Obstkisten, zerdrückte Tomaten, Pfirsichstücke, Obstmanschetten, zermatschte Feigen, Käserinden, übriggebliebene Zucchini. Die städtische Müllabfuhr fegt zusammen, die Kehrmaschinen schlucken die Überreste des Marktes. Menschen suchen in den Resten nach Essbarem.

Ein Markttag am Porta Palazzo geht zu Ende. Am nächsten Morgen beginnt alles von Neuem.

Er mag der größte Markt sein, zu den schönsten und interessantesten gehört er jedoch nicht. Da kenne ich wesentlich schönere – vor allem in Deutschland. 🙂

PS. Falls du Italienisch verstehst, dann höre dir doch aus der Reihe „Le Meraviglie” die Folge „Mercato di Porta Palazzo a Torino, erzählt von Giuseppe Culicchia“ an.


Canzone – Das Lied zum Beitrag

Als Musik habe ich für diesen Beitrag „Al mercato di Porta Palazzo” von Gianmaria Testa ausgewählt.


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